Der Schloss-Job

Achtung: Diese Geschichte spielt irgendwann während der Staffeln 6 und 7. Sie ist auf Comedy und Humor ausgerichtet und ignoriert daher stellenweise Logik und Zusammenhang. Das ist Fanfiction. Es gibt keine Verbindung zu oder Genehmigung von Hasbro.

Die blass-gelbe Erdponystute gähnte. Am Fenster stehend betrachtete sie wachsam die Straße vor dem Haus und bemerkte, dass es spät wurde. Der Mond hatte die Sonne vor ein paar Stunden abgelöst und Bon Bon entschied, dass sie besser schlafen ging. Ihre Umgebung auf feindlichen Aktivitäten abzusuchen war eine ungesunde Angewohnheit aus ihrer Vergangenheit, die sie noch nicht vollständig abgeschüttelt hatte.

Nachdem sie sichergestellt hatte, dass der Busch bei der Straßenlaterne wirklich ein Busch war, trottete sie die Treppe hinauf und ließ ihre bereits schlafende Mitbewohnerin auf der Couch zurück.

Als Bon Bon ihr Schlafzimmer betrat, hörte sie ein Klingeln aus der Abstellkammer am anderen Ende des Zimmers. Ihre Augen weiteten sich vor Schreck, als sie das Geräusch erkannte, ihre Müdigkeit war wie weggewischt. Sie waren es. Rasch eilte sie durch den Raum, öffnete die Tür und buddelte sich durch die Kleidung am Boden. Nach einigen Augenblicken erreichte sie die Quelle des Klingelns. Es war ein unscheinbarer grauer Aktenkoffer.

Sie zog den Aktenkoffer aus der Abstellkammer, während das Klingeln aggressiver wurde. Das Schloss an der Oberseite ignorierend platzierte sie ihren Huf auf dem bronzenen Siegel auf der Vorderseite. Besagtes Siegel passte perfekt zu ihrem Hufabdruck. Mit einem deutlichen Klicken öffnete sich der Aktenkoffer.

Da war ein kurzes Zögern, als sie auf das rote Telefon starrte, welches sie inzwischen anbrüllte. Sie hatte nie wieder einen Anruf erwartet. Nicht nach dem Deal, den sie ihrem ehemaligen Boss, Agent Furlong, abgerungen hatte bei ihrem letzten Auftrag. Aber auf der andere Seite musste es wichtig sein. Bon Bon griff das Telefon und das Klingeln verstummte, als die Verbindung zu einem geheimen Versteck irgendwo in Equestria hergestellt wurde.

„Special Agent Sweetie Drops, zu Ihren Diensten“, sagte sie leise und professionell, während sie sich in ihrem leeren Zimmer umsah.

„Ich bin froh, dass Ihr endlich wach seid“, erwiderte eine genervte, kratzige Stimme. Bon Bon würde diese Stimme überall wiedererkennen. Es war ihr alter Boss, als sie für S.M.I.L.E. gearbeitet hatte. Die geheime Monster Nachrichtenliga von Equestria, eine Geheimorganisation der Regierung, die damit beauftragt war, die vielen Monsterbedrohungen von Equestria zu bekämpfen. Die Stimme zu hören bedeutete wahrscheinlich, dass das hier der Ernstfall war.

„Das lila Pony springt über den Tümpel“, fuhr Agent Furlong fort und wurde ernst.

„Aber das Pegasus schwimmt im Sumpf“, erwiderte Bon Bon, als sie sich an die Passphrase zur Bestätigung ihrer Identität erinnerte. Beide Parteien bestätigten, dass sie nicht kompromittiert waren und sicherten sich so selbst gegen eine Wechselpony-Infiltration ab. Jetzt wusste sie, dass das tatsächlich der Ernstfall war. Ihre erste Mission seit Ewigkeiten.

„Agent Sweetie Drops, wir haben eine Mission für Sie“, verkündete Agent Furlong, „Höchste Priorität, direkt von C. Bestätigen Sie, dass Sie bereit für den Empfang sind.“ Sweetie Drops, die seit einigen Jahren unter dem Alias Bon Bon lebte, schluckte schwer. Als sie zuerst bei S.M.I.L.E. gewesen war, hatte es nur eine Mission direkt von C gegeben. Und es war der schwerste Job, den sie je gemacht hatte.

Sie zögerte für einen Moment, da sie ihr altes Leben schon zwei mal hinter sich gelassen hatte. Sie fragte sich, ob sie es immer noch drauf hatte. Aber der Anruf bedeutete, dass kein anderes Pony für die Mission verfügbar war.

„Ich bin bereit“, sagte sie mutig.

Nach einem Moment der Stille sprach Furlong erneut. „Mission. Holen Sie eine Nachricht zurück, die per Drache von Prinzessin Celestia an Prinzessin Twilight Sparkle geschickt wurde. Die Empfängerin darf keine Kenntnis vom Inhalt der Nachricht erlangen. Es ist zudem entscheidend, dass Sie unentdeckt bleiben. Bestätigen.“

„Die Nachricht zurückholen, ohne entdeckt zu werden. Twilight nicht die Nachricht lesen lassen. Betrachten Sie es als erledigt“, erwiderte Special Agent Sweetie Drops, während ein Lächeln auf ihrer Schnauze erschien. Damit wurde die Verbindung unterbrochen.

Die Stute legte das Telefon zurück und nahm die wichtigsten Gegenstände aus dem Aktenkoffer. Nach nur einem Augenblick war sie in den schwarzen Anzug geschlüpft und hatte sich die Armbanduhr der Agentur angelegt. Zu guter Letzt griff sie die schwarze Sonnenbrille und setzte sie stylish auf, nur schaute leider kein Pony zu.

Sie trat in an die Wand neben der Abstellkammer, hob die Sonnenbrille etwas und hielt ihr Auge vor ein winziges Loch. Der magische Kristall auf der anderen Seite sandte ein schwaches blaues Licht aus und scannte ihre Iris. Mit einem leichten Zischen öffnete sich die Wand und enthüllte eine Geheimkammer.

Verschiedenste Werkzeuge und Geräte säumten die Wände und wurden künstlich beleuchtet. Sweetie Drops griff die, die ihr heute Nacht helfen würden, und stopfte sie in ihren Anzug. Dann öffnete sie die Kiste am Boden, das Einzige, was kürzlich bewegt worden war. Sie beinhaltete Grundrisse aller wichtigen Gebäude in Ponyville. Das Erdpony griff den Grundriss des Schlosses der Freundschaft, bevor sie den Geheimraum wieder versiegelte.

Special Agent Sweetie Drops schlich die Treppen hinab. Ihre Mitbewohnerin, Lyra Heartstrings, schlief immer noch auf der Couch. Das minzfarbene Einhorn mit einer Lyra als Schönheitsfleck saß quasi aufrecht und hatte den Kopf zur Seite gedreht. Sie hatte ein Verschwörungs-Magazin auf den Beinen, das behauptete, seltsame Kreaturen namens ‚Menschen‘ wären im Everfree Forest gesichtet worden. Sweetie Drops lächelte warm, als sie ihre Mitbewohnerin so sah, bevor sie das Magazin entfernte.

„Nein. Brauche … Informationen“, murmelte die schlafende Lyra und versuchte den Gegenstand zu greifen, der nicht mehr da war. Langsam öffnete die Stute ihre Augen und blickte Sweetie Drops direkt an. Zuerst war Verwirrung in ihrem Blick, aber als sie die Kleidung ihrer besten Freundin bemerkte, erschien ein Lächeln auf ihrem Gesicht.

„Ist es Zeit, Special Agent Sweetie Drops?“ fragte Lyra mit einem Grinsen, während sie von der Couch aufstand und sich im Wohnzimmer umsah.

„Es ist Zeit, Special Agent Heartstrings“, erwiderte Sweetie Drops und spiegelte das Grinsen ihrer Freundin. „Wir sind beauftragt, eine königliche Nachricht aus dem Schloss der Freundschaft zu holen, ohne entdeckt zu werden“, erklärte sie der anderen Agentin.

Lyra lief schnell in die Küche und holte einen Aktenkoffer ähnlich dem von Sweetie Drops aus dem Geschirrspüler. Nur eine Minute später war sie angezogen und bereit, aufzubrechen.

Sweetie Drops hob ihre Armbanduhr. „Test, Test. Hörst du mich?“ frage sie, ihre eigene Stimme wurde sofort von der Armbanduhr ihrer Partnerin wiederholt.

„Laut und klar“, erwiderte Lyra in ihre eigene Armbanduhr. Sweetie Drops gestattete sich ein zufriedenes Nicken, als sie Lyra doppelt hörte.

Zusammen brachen sie zu ihrem Auftrag auf, wobei sie darauf achteten, dass kein Pony sie beim Verlassen ihrer Wohnung bemerkte.

Glücklicherweise lag Ponyville still da. Luna’s Mond spendete etwas Licht zwischen den Wolken und die wenigen Straßenlaternen erhellten Flecken zwischen den dunklen Häusern. Die Agenten Sweetie Drops und Heartstrings blieben in den Schatten und bewegten sich rasch. Es waren nur noch wenige Ponys draußen, daher hatten sie keine Probleme, ihnen auszuweichen.

„Apfelgrütze, es ist echt dunkel mit der Sonnenbrille“, bemerkte Lyra nach kurzer Zeit, „Ich kann kaum meine eigenen Hufe sehen.“

„Die haben einen Restlichtverstärker. Zweiter Knopf auf der Linken“, erinnerte Sweetie Drops ihre Freundin in dem Wissen, dass Lyra nicht nur ein kurzes Training erhalten hatte, sondern dieses Training auch schon ein paar Jahre her war.

„Ohh … schick“, kommentierte das Einhorn leise, als ihr Blickfeld fast taghell erleuchtet wurde.

Sie erreichten den Platz vor dem Rathaus und bemerkten, dass das Restaurant an der Ecke immer noch ein paar Gäste im Außenbereich hatte. Es war unwahrscheinlich, dass diese die zwei Agenten erkennen würden, wenn sie den Platz überquerten, aber die Mission war, unentdeckt zu bleiben.

Für einen Moment überlegte Sweetie Drops, außen herum zu gehen. Aber wo blieb da der Spaß. Sie deutete auf die langsam dahinziehenden Wolken und Lyra nickte. Die Beiden warteten eine halbe Minute in den Büschen, bis sich eine kleine Wolke vor den Mond schob.

Als der Platz in Dunkelheit getaucht wurde, galoppierten die Agenten Sweetie Drops und Heartstrings los. Gerade als sie die andere Seite erreichten, kehrte das Mondlicht zurück und die Gäste hatten nichts bemerkt. Jetzt war das Schloss in Sicht, sie hatten ihr Ziel fast erreicht.

Kurze Zeit später standen sie vor dem Schloss der Freundschaft, wo Prinzessin Twilight Sparkle wohnte. Sweetie Drops war stets erstaunt, dass die Prinzessin der Freundschaft keine echten Sicherheitsmaßnahmen hatte, trotz all der Zwischenfälle, die es gegeben hatte und dem kleinen Fakt, dass sie eine Prinzessin war. Aber auf der anderen Hufe machte das ihre Arbeit einfacher.

„Wie kommen wir hinein?“ fragte Lyra, während sie das Schloss beäugte, „Ich glaube die Vordertür ist offen. Zumindest hat das die Prinzessin gesagt, ihre Tür ist immer offen für die Bürger von Ponyville.“

„Ich glaube dass war mehr so eine Redensart“, gab Sweetie Drops mit hochgezogener Braue zurück. Dann wühlte sie sich durch die vielen Taschen ihres Anzuges. „Aber ich habe einen Weg rein.“ Mit einem süffisanten Grinsen zog das Erdpony die Greifhakenpistole aus ihrem Anzug und zielte auf den größeren Balkon des Schlosses.

Die Augen des Einhorns weiteten sich, als sie von Sweetie Drops gepackt wurde, und umarmte sie dann fest. Der Haken flog in die Luft und zog das lange Seil hinter sich her. Er passierte knapp die Brüstung und landete auf dem Balkon. Das Erdpony drückte den anderen Knopf und zog das Seil ein. Der Haken kratzte über den Kristallboden, bevor er an der Brüstung hängen blieb. Sie zog an der festen Verbindung, um sicherzustellen, dass der Haken richtig saß, bevor sie den Knopf erneut drückte.

Die Greifhakenpistole in einer Hufe haltend wurden sie und Lyra in die Luft gezogen und landeten auf dem Balkon nur wenige Augenblicke später. Rasch verstaute sie das Gerät und holte den magischen Dietrich aus ihrem Anzug, um die Tür ins Schloss zu öffnen.

„Warte“, flüsterte Lyra hinter ihr. Verwirrt sah Sweetie Drops zum Einhorn zurück, dass an ihr vorbei trottete. Die minzfarbene Stute streckte ihren Huf zum Türgriff aus und mit leichtem Ziehen öffnete sich die Tür. „Ich habe mehr Sicherheit erwartet. Mit den ganzen Einbrüchen, den Angriffen und so“, kommentierte Agent Heartstrings.

„Nun, das macht die Sache einfacher“, gab das Erdpony leise zurück, während sie ihr Werkzeug verstaute. „Lass uns reingehen. Das wird der schwierige Teil.“

„Du meinst der spaßige Teil?“ kicherte die minzfarbene Stute mit einem Grinsen, „Durch das Schloss einer Prinzessin schleichen?“ Sweetie Drops schüttelte den Kopf, aber lächelte leicht.

„Oh, warte!“ stieß Lyra leise aus und begann, an ihrer Armbanduhr herumzufummeln. „Ich muss die erst stumm schalten“, erklärte sie, während sie versuchte, dass Gerät richtig einzustellen. Das Erdpony rollte mit den Augen.

Endlich waren sie bereit und öffneten die Tür vollständig. Da sie kein Pony im Inneren sehen konnten, huschten sie hinein und schlossen die Tür hinter sich.

Die Agenten Sweetie Drops und Heartstrings fanden sich in einem langen Gang wieder und warfen rasch einen Blick auf den Grundriss. Das Schlafzimmer von Twilight Sparkle war am anderen Ende besagten Ganges, sie würden ihre Suche nach der Nachricht dort beginnen.

Leise bewegten sie sich durch den Gang und Sweetie Drops bemerkte, dass das Schloss im Inneren viel größer war als es von außen den Eindruck hatte. Bislang hatte sie derartige Geschichten als absurd abgestempelt, doch wo sie jetzt selber hier war musste sie feststellen, dass sie zu hundert Prozent wahr waren. Mit Sicherheit war es eine nicht registrierte Taschendimension, aber Twilight hatte Glück, da die Special Agents von einer anderen Abteilung waren.

„Ich frage mich, ob sie all diese Räume auch nutzen, oder ob sich nur Staub und Sternspinnen ansammelt“, flüsterte Lyra. Aber Sweetie Drops hatte keine Antwort darauf.

Die schwarz gekleideten Stuten schafften ein gutes Drittel des Weges, als sie hörten, wie sich eine Tür hinter ihnen öffnete. Lyra sprang hastig zur Seite und versteckte sich hinter einer Büste von Starswirl dem Bärtigen.

Sweetie Drops sah sich nach einem eigenen Versteck um und erklomm rasch die Kristallsäule neben sich. Das Erdpony dankte ihren Eltern, dass diese sie als Fohlen zum Bergsteigen mitgenommen hatten. Von der Säule aus sprang sie hinüber zu einem der großen Banner, die zwischen allen Säulen hingen, und versteckte sich auf dessen Rückseite.

Aus ihrem Versteck heraus beobachtete Sweetie Drops den Gang. Nur einen Moment später trottete ein Einhorn mit hellem lila Fell vorbei. Die Stute hatte einen Stern und einen magischen Wirbel auf ihrer Flanke. Sweetie Drops erkannte Starlight Glimmer, und so wie es schien war das Einhorn eher gestresst und murmelte etwas Unverständliches.

Die beiden Agenten hielten sich versteckt, bis Twilight’s Schülerin zwei Türen weiter verschwand. Weder das sich bewegende Banner noch die süßigkeitenfarbene Mähne hinter der Büste des größten Zauberers aller Zeiten wurden vom Einhorn bemerkt. Als Starlight verschwunden war, setzten sie ihren Weg fort. Erneut kamen die Special Agents nicht weit, da sich die Tür, die Starlight gerade genutzt hatte, erneut öffnete.

Es gab keine Büste, hinter der sich Lyra verstecken konnte und Sweetie Drops war sich sicher, dass das Einhorn nicht rechtzeitig eine Säule hochklettern konnte. Also drückte sie ihre Einhorn-Freundin gegen die Wand und zog in der gleichen Bewegung eine große Decke hervor. Lyra duckte sich nach unten, während das Erdpony versuchte, sie beide mit dem Chamäleon-Umhang zu bedecken.

Es war eine frühe Version aus den alten Tage, die Sweetie Drops aus der Forschungsabteilung mitgehen lassen hatte, als die Zweigstelle in Canterlot geschlossen worden war. Es sollte die Umgebung nachbilden und den Anwender verstecken, aber oft zeigte es grelle Farben oder nur die Agenten in einer schwarzen Leere.

Doch dieses mal schien es zu funktionieren, da das Einhorn an den beiden vorbei ging und sogar in ihre Richtung blickte, ohne sie zu bemerken. Besagtes Einhorn stoppte und trat für einen Moment auf der Stelle. Special Agent Sweetie Drops sah von hinter ihrer Tarnung zu und hob die Armbanduhr. Es war Zeit, dieses Hindernis zu entfernen.

Das Fadenkreuz klappte auf, den Nacken von Starlight Glimmer im Visier. Gerade als sie schießen wollte, stieß ihr ein Huf in die Flanke. „Was machst du da?“ kam Lyra’s geflüsterte Frage von unter ihr.

„Ich leg sie nur schlafen, keine Sorge“, erwiderte Sweetie Drops und blickte zurück zur Stute im Gang. „Sie ist für ein paar Stunden weg, ich hab das die ganze Zeit bei S.M.I.L.E. gemacht.“ Das Einhorn im Fadenkreuz kratzte sich am Kinn, ohne etwas zu bemerken.

„Sie wirkt richtig gestresst. Was auch immer sie macht kann wahrscheinlich nicht warten“, drängte Lyra von unten. Sweetie Drops runzelte die Stirn. Ihre Freundin hatte recht. Was, wenn Starlight Glimmer ein Freundschaftsproblem oder eine Aufgabe der Prinzessin lösen musste. Das Risiko war zu groß.

Das Erdpony atmete aus. „Du hast recht“, sagte sie leise und senkte die Armbanduhr. Als sie nach unten sah, schenkte Lyra ihr ein warmes Lächeln.

Plötzlich rief Starlight Glimmer „Oh nein! Dann werde ich scheitern!“ Die lila Stute rannte den Gang zurück und verschwand in einem anderen angrenzenden Raum. Aber dieses mal ließ sie die Tür offen.

Die Agenten folgten ihr und näherten sich Stück für Stück ihrem Ziel. Sich nah an die offene Tür schleichend, spähte Sweetie Drops rasch hinein. Die andere Stute stand im Raum, tat irgendwas und murmelte vor sich hin. Auch wenn das Einhorn gerade nicht zur Tür blickte, so konnte sie sich doch jederzeit umdrehen.

Wenn sie einfach an der offenen vorbeiliefen, riskierten die Agenten nicht nur ihre Mission, sie würden sich bei einer Enttarnung auch gegenüber der Prinzessin der Freundschaft erklären müssen. Und Sweetie Drops traute der Decke nicht zu, noch einmal zu funktionieren, geschweige denn in Bewegung.

Stattdessen holte sie die Greifhakenpistole heraus und ersetzte rasch den Haken durch einen Saugnapf. Sie blickte zu ihrer Freundin und flüsterte „Steig auf meinen Rücken.“ Mit einem Grinsen sprang das minzfarbene Einhorn auf das Erdpony, während Sweetie Drops einen Schritt zurück machte.

Sie zielte auf die Decke knapp hinter der Tür. Mit einem leisen Pop heftete sich der Saugnapf an die Kristalldecke und nach einem Moment straffte sich das Seil und zog beide Special Agents in die Luft. Das Erdpony fiel hinter der offenen Tür zu Boden und balancierte nicht nur den Sturz aus, sondern auch das Gewicht ihrer Freundin auf dem Rücken. Als Lyra abstieg, steckte Sweetie Drops die Pistole weg. Ein kurzer Blick zeigte, dass das andere Einhorn noch immer beschäftigt war. Daher setzten sie ihren Weg durch den Gang fort.

Sie hatten fast die Tür zum Schlafzimmer der Prinzessin erreicht, als die letzte Tür direkt daneben aufflog. „Endlich habe ich es!“ rief Starlight Glimmer und trat aus dem Raum, in dem sie unmöglich sein konnte. Ohne jede Deckung und einen Fluch unterdrückend sprang Special Agent Sweetie Drops nach vorn und schlitterte hinter der Tür in Deckung.

Sie blickte hinüber zu Lyra und sah das Einhorn auf den Hinterläufen stehend an die Wand gepresst, komplett erstarrt. Es gab keinen Platz für sie zum Verstecken, also versteckte sie sich vor aller Augen. Doch in diesem Fall musste das andere Pony blind sein.

Das lila Einhorn betrat den Gang und blickte zur Tür, die das Ziel der Agenten war. „Eine weitere Lektion abgeschlossen. Twilight wird stolz sein!“ strahlte Starlight Glimmer, bevor sie den Gang entlang marschierte. Und direkt vor Lyra erstarrte sie mitten im Schritt, die Augen weit aufgerissen.

Special Agent Sweetie Drops wusste, das Spiel war aus. Die Stute hatte mit Sicherheit das andere Einhorn gesehen. Panisch fummelte sie an ihrer Armbanduhr um sowohl ihre beste Freundin als auch die Mission zu retten. Doch Starlight Glimmer schüttelte den Kopf und sagte „So ein Unsinn, Glimmer.“ Sie lachte und lief weiter, ohne in die Richtung von Special Agent Heartstrings zu schauen. „Oh, ein Pony versteckt sich im Schatten. Ich muss aufhören, Spike’s Comics zu lesen“, die sarkastischen Worte verklangen, als die Schülerin durch eine weitere Tür verschwand.

Endlich betraten die Special Agents das Schlafzimmer der Prinzessin. Prinzessin Twilight Sparkle schlief in ihrem großen Bett, während ihr Assistent, Spike, in einem gemütlichen Korb schlief, der mit Kissen ausgelegt war. Und da, in den Armen des Drachen, war eine ungeöffnete Schriftrolle mit einem königlichen Siegel.

Es war die einzige Schriftrolle im Raum, zumindest soweit sie sehen konnten. Es musste der Grund sein, warum sie hier waren. Während sich Lyra nach etwaigen anderen Schriftrollen umsah, zog Sweetie Drops ein großes tragbares Gerät mit einer Antenne am Ende hervor. Glücklicherweise hatte sie vor Ewigkeiten halb durch eine Präsentation geschlafen, die erklärt hatte, wie Drachenpost verschickt wurde. Mit dem Gerät in ihrer Hufe würde sie magische Rückstände erfassen, wenn die Schriftrolle kürzlich geschickt worden war.

Als sie die Antenne nah an die Schriftrolle hielt, begann es, laut zu fiepen, was anzeigte, dass es Magie gefunden hatte. Die Augen beider Agenten weiteten sich, denn das Geräusch war sehr laut. Rasch hielt Sweetie Drops es von der Schriftrolle weg und das Gerät verstummte. Glücklicherweise wurden weder der Drache noch die Prinzessin durch das Geräusch gestört.

Sie betrachteten die Schriftrolle aus der Ferne, doch derzeit war sie fest in Spike’s verschränkten Armen eingeklemmt. Es war unmöglich, dass sie sie einfach greifen konnten. Mit einem Stirnrunzeln hob Sweetie Drops ihre Armbanduhr, während Lyra sich umsah. Der Drache schlief bereits, also wäre es kein Problem, wenn er noch etwas fester schlief.

Es gab ein Geräusch neben Sweetie Drops, als Lyra versuchte, ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. Das Erdpony sah herüber und dann in die Richtung, in die die minzfarbene Stute deutete. Auf einem Nachttisch nicht weit entfernt entdeckte sie ein kleines Plüschtier von etwas, was offenbar ein weißes Einhorn war. Sie nickte.

Lyra griff sich das Plüschtier und schlich sich an den Drachen an. Jetzt mussten sie sowohl schnell als auch vorsichtig sein, um die Schriftrolle und das Plüschtier auszutauschen, ohne den Drachen aufzuwecken. Sweetie Drops ging nah heran, als Spike plötzlich sein Maul öffnete. Die Stute erstarrte vor Schreck.

Ein langes, tiefes Schnarchen entstieg dem kleinen Drachen, bevor er sich auf die andere Seite rollte. Sweetie Drops rollte mit den Augen und zusammen mit Lyra platzierte sie sich um, um den Austausch erneut vorzubereiten. Während das Erdpony die Schriftrolle nach oben zog, drückte das Einhorn von unten das Plüschtier nach. Es funktionierte problemlos und war in einem Augenblick erledigt. Spike würde nie wissen, was geschehen war.

Sweetie Drops zog sich langsam zurück und plante, wie sie durch den Gang zurückkehren würden, als die Prinzessin plötzlich gähnte und ihre Hufe streckte.

„Spike …“ murmelte Twilight Sparkle, immer noch gähnend. Die Agentin wusste ihre Zeit lief ab. Es war unmöglich, dass sie ungesehen durch die Tür entkommen würden. Sie drehte sich zur anderen Seite, wo sie erst ein offenes Fenster gesehen hatte.

Hastig lehnte sie sich zu Lyra und flüsterte „Aus dem Fenster. Du kannst runter schweben, richtig?“ Die minzfarbene Stute nickte und eilte voraus. Sweetie Drops folgte nur einen Moment später und bewegte sich rasch auf das offene Fenster zu. Bevor die Prinzessin aufrecht saß, sprang das Erdpony aus dem Fenster.

Es ging tief nach unten, tiefer als die Beine eines Erdpony vertrugen. Aber Special Agent Sweetie Drops sorgte sich nicht. Direkt nachdem sie das Fenster passiert hatte, zog sie an der versteckten Schnur in ihrem Anzug. Der Fallschirm öffnete sich einem Moment später über ihr und trug sie sanft zu Boden. Sie sah nach oben und bemerkte die Flagge Equestrias auf dem Fallschirm, die in der Nacht kaum sichtbar war.

Nachdem sie in einigen Büschen gelandet war, zog Sweetie Drops erneut an der Schnur und der Fallschirm rollte sich selbst zusammen und verschwand im Anzug, wodurch sie plötzlich einen großen Buckel bekam.

Lyra trottete herüber und hatte ein strahlendes Lächeln aufgesetzt. „Nachricht, abgehakt. Unentdeckt, abgehakt. Scheint mir wie ein voller Erfolg“, grinste sie und beide schlugen die Hufe zusammen. Dann machten sie sich auf den Weg nach Hause.

Special Agent Sweetie Drops nahm das Telefon und wählte S.M.I.L.E. Nachdem die Passphrasen erledigt waren, schaltete sie das Gespräch auf Lautsprecher. „Special Agents Sweetie Drops und Heartstrings hier“, sagte sie ruhig, während sie vorsichtig zum minzfarbenen Einhorn an ihrer Seite schielte. Furlong’s Stimme erklang nur einen Moment später.

„Höre Sie laut und deutlich. Wie ist Ihr Status?“ fragte er.

„Die Mission war ein voller Erfolg. Wir haben die ungeöffnete Nachricht bei uns. Wir wurden nicht entdeckt“, berichtete Sweetie Drops, stolz auf ihre Arbeit.

„Bestätigt. Zerstören Sie die Nachricht, dann ist Ihre Aufgabe angeschlossen. Gute Arbeit, Agenten!“ lobte Furlong. Es gab eine kurze Pause, bevor er weitersprach. „Einen Moment, Agenten. C will Ihnen direkt danken.“ Beide Stuten sahen sich überrascht an.

Das nächste Pony, das sprach, war Prinzessin Celestia, die Herrscherin von Equestria. „Vielen Dank, mutige Agenten. Ihr habt mir heute Nacht sehr aus der Patsche geholfen“, sagte die Prinzessin freudig.

„Vielen Dank für die freundlichen Worte, Eure Hoheit“, erwiderte Sweetie Drops höflich.

„Ja, die Einladung für Twilight und ihre Freunde hatte das falsche Datum, könnt Ihr das glauben? Das wäre so peinlich für mich gewesen!“ fuhr die Prinzessin mit einem Lachen fort. Sweetie Drop’s Gesicht wurde ausdruckslos, während Lyra fassungslos auf das Telefon wies, wobei sich ihre Schnauze bewegte ohne etwas zu sagen.

„Wir sind immer zu Ihren Diensten, Eure Hoheit“, schaffte Sweetie Drops zu sagen und versuchte dabei, ihre Stimme im Zaum zu halten. Einen Moment später wurde die Verbindung getrennt und sie standen allein im Schlafzimmer und sahen einander an. Gemeinsam atmeten sie aus und schüttelten die Köpfe.

Nachdem sie ihre Ausrüstung verstaut hatte, war sie wieder Bon Bon. Mit dem Alias kehrte auch die Müdigkeit zurück und sie gähnte ausgiebig. Sie wollte einfach in ihr Bett fallen, doch dann hatte sie eine bessere Idee.

„Wie wäre es mit dem Erfolgreiche-Mission-Minzkuchen, den ich dir vor all der Zeit versprochen habe?“ fragte Bon Bon und lächelte ihre Freundin an. Lyra’s Gesicht hellte sich auf und sie tänzelte für einen Moment auf der Stelle, bevor sie nach unten lief.

Bon Bon holte den Kuchen aus dem Kühlschrank, teilte ihn in zwei und ging ins Wohnzimmer. Lyra saß bereits aufrecht auf der Couch. „Du weißt, dass das schlecht für deinen Nacken ist, oder?“ fragte sie, als sie sich neben sie setzte.

„Kuchen!“ war die einzige Antwort und das Einhorn schnappte ihr praktisch den Teller aus der Hufe. Zusammen saßen sie da und aßen ihren besonderen Kuchen in Stille.

„Weißt du …“ sagte Bon Bon, nachdem sie ihr Stück geschafft hatte, „Ich bin froh, so eine tolle Freundin zu haben, mit der ich diese Dinge teilen kann.“ Sie lächelte die andere Stute an.

„Deine Geheimnisse und Kuchen sind sicher bei mir, Special Agent.“ neckte Lyra mit einem Grinsen, bevor sie sich unter dem Arm des anderen Ponys einklemmte und in die Seite kuschelte. Bon Bon tätschelte den Kopf des Einhorns und schloss die Augen. Sie schlief nur Augenblicke später ein.