Kapitel 16 – Feuer und Tod

Gemeinsam standen sie auf dem kleinen Plateau an der Bergflanke. Awelia starrte auf die Vulkaninsel, die vor ihnen im Meer lag. Feron fluchte. „Müssen wir da etwa auch lang?“ fragte er Ka'dal. Die Echse wackelte unschlüssig mit dem Kopf. „Nicht … vielleicht. Können gehen anderen Weg. Hier wegen Sssamanin. Hoffen Sssaman können sssehen.“ sagte die Echse. Die Zauberin drehte sich langsam zu ihnen um. „Seit wann ist der Vulkan aktiv?“ fragte sie. „Ssseit Knochen hier. Sssie reisssen unsss Hersss herausss, einen Mond danach kam dasss Feuer. Lange her, ich nicht geschlüpft.“ erzählte Ka'dal. Awelia nickte. „Ich sehe eine magische Strömung. Die Magie des Weltenstromes wird angezogen und in Feuermagie umgewandelt. Sie speist den Vulkan.“ erklärte sie. „Ist es ein natürliches Phänomen?“ fragte Dara verwirrt. „Nein. Aber da ist noch etwas anderes. Ich kann es nicht genau erkennen, aber sie tun noch etwas anderes.“ sagte die Zauberin. „Der Vulkan ist Mist, schon klar, aber in wie weit betrifft uns das? Er kann ja kaum die ganzen Inseln anzünden.“ meinte Feron schulterzuckend, doch Awelia schüttelte den Kopf. „Es ist ein komplexer und überaus mächtiger Zauber, und er erwärmt das ganze Gebiet. Je nach Intensität werden die Echsenmenschen ans Wasser gebunden und können nicht mehr an Land. Und zudem zerstört es die Pflanzen. Wir haben davon bisher noch nichts gemerkt, weil es auf so ein großes Gebiet wirkt. Und der Zauber wird allein aus dem Weltenstrom gespeist, der hier nicht besonders stark ist. Aber der Effekt ist da.“ erklärte sie.
Während sie den Hang hinab stiegen, blickte Feron immer wieder skeptisch zum Vulkan. „Wie lange haben die Perleninseln noch?“ fragte er laut. Awelia überlegte eine Weile. Sie schloss die Augen und sah die Weltenmagie vor sich. Wie ein dünner Film lag sie tief unter ihnen, noch tiefer als in Karturas. Sie konnte die Magie kaum erkennen, so wenig war hier. Doch der Vulkan sog sie ein wie ein Kamin. In seinem Innern war ein starker Wirbel, und je höher die glühenden Funken kamen, desto mehr wurden von der Feuermagie rot gefärbt. Die durch den Schlot ausgestoßenen Funken gingen in weitem Umkreis nieder. Awelia öffnete die Augen. „Das kann noch viele Jahre dauern. Ich meine, die Knochen sind schon lange hier, aber der Effekt ist nicht so stark, wie er sein könnte. Ka'dal, ist es in den Jahren, seit die Knochen hier sind, viel wärmer geworden? Sind Pflanzen abgestorben?“ Die Echse blickte sie an und dachte nach. „Wärmer ja. Aber ich weisss nicht wie viel. Pflanzen gessstorben keine, aber einige Teiche trocknen ausss.“ „Ich weiß nicht wieso, aber der Zauber ist auf Sparflamme. Sie hätten längst die Perleninseln in eine Wüstenlandschaft verwandeln können, wenn sie gewollt hätten. Wasser oder nicht, mit genug Hitze hätten sie alles Leben auf den Inseln verbrannt.“ erklärte die Zauberin. „Warum haben sie es dann nicht getan?“ fragte Feron. Awelia konnte nur ratlos mit den Schultern zucken.

Die Sonne sank langsam dem Horizont entgegen, als sie das Ufer erreichten. „Ich hoffen, Sssamanin ssstoppen Sssauber. Sssauber töten unsss. Von hier viele Knochen. Bitte.“ sagte Ka'dal und sah Awelia flehend an. Sie konnte die aufkeimende Hoffnung spüren, dass jemand nach all den Jahren dem Volk der Echsenmenschen helfen könnte. Die Zauberin blickte auf den rauchenden Vulkan. „Ich kann es zumindest versuchen. Was meint ihr?“ sie blickte fragend zu Dara und Feron. „Ich gehe da hin, wo du hingehst.“ sagte die Wächterin ruhig. „Wenn wir den Schatten weiter damit ärgern, dann bin ich dabei.“ meinte Feron gelassen. „Wir tun es. Aber wir warten bis zum nächsten Tagesanbruch.“ legte Awelia fest.
In der Nacht schlief Awelia nicht. Sie saß am Strand und betrachtete den Vulkan. Das rote Leuchten seines Inneren umspielte den Kraterrand und spiegelte sich in der Rauchwolke, die die Sterne verdeckte. Immer mal wieder schloss sie die Augen und betrachtete die Manipulation der Magie, die der Schatten oder sein Diener geschaffen hatte. Wie sie entdeckte wurde am Vulkan ein Teil der Magie abgezweigt und in Todesmagie umgewandelt. Sie war sich nicht ganz sicher, was damit geschah, doch Ka'dals Äußerungen nach mussten dort magische Wesenheiten geschaffen werden. Er konnte es nicht genau erklären, doch irgendetwas holte die Toten zurück und ließ sie über die Inseln wandeln. Es raschelte leicht und Feron setzte sich neben sie. „Was siehst du?“ fragte er leise. „Es gibt noch einen zweiten Zauber, Todesmagie.“ antwortete sie, und drehte sich zu ihm. „Und du?“ fragte sie zurück. Der Drachentöter seufzte. „Eine Naturkatastrophe. Auch wenn ich weiß, dass es vom Schatten verursacht wird … es ist wie ein Erdbeben oder eine Flutwelle. Es ist eine Störung im Gleichgewicht unserer Welt, die Elend verursacht. Ohne Vorwarnung wird das gewohnte Leben zerstört. Und am Ende bleiben immer Leute hilflos zurück.“ antwortete er betrübt. „Wenn du gegen Feuer und Tod gehen müsstest, welches Element würdest du am ehesten nutzen?“ fragte sie nachdenklich. Es war ein Problem, über das sie die ganze Zeit nachgedacht hatte. Sie waren zu Viert, doch gegen eine Armee war das zu wenig. Daher wollte sie sich Hilfe holen. Ihr fiel viel ein, etwa dass sie Wesen der Elemente beschwören konnte, aber sie wusste nicht recht, was am effektivsten wäre. Doch sie vertraute auf Ferons Intuition, auch wenn er kein Magier war. „Hmm.“ machte er neben ihr. „Feuer und Tod zum Feind. Also fallen die beiden wohl raus. Hier gibt es viel Wasser, aber wenn die Macht des Feuers als Gegenelement aus dem Gleichgewicht gebracht wurde, dann bringt es wenig. Vielleicht rechnen sie auch wieder mit einem Adler, daher würde ich sagen … Erde. Wenn dir etwas von der Erde helfen kann … damit rechnet der Schatten wohl nicht, und es wird nach dem Elementardiagramm nicht von Feuer und Tod beeinträchtigt.“ sagte Feron langsam. Awelia war beeindruckt. „Daran habe ich noch gar nicht gedacht, aber das macht durchaus Sinn.“ gab sie lächelnd zu. „Ich hab mal aufgepasst bei dem ganzen Zauberkram.“ grinste er verlegen. „Dann passe jetzt mal auf.“ sagte Awelia und schloss die Augen. Im Gegensatz zum Adler in Karturas wusste sie, was sie wollte. Und sie musste nicht erst den Weltenstrom anzapfen, sondern nutzte die Materialien, die vorhanden waren. Der Funken in ihr leuchtete auf, als sie aus dem Gestein unter ihr einen Elementar erschuf. Das magische Band verband sie und den ersten groben Klumpen, und ließ ihre eigene Kraft in die entstehende Kreatur fließen. Schließlich war es vollbracht, und sie befahl dem Erdelementar gedanklich, hervorzukommen. Der Boden bebte leicht, als sich eine humanoide, massige Gestalt aus Stein empor grub. Erdklumpen kullerten ihr entgegen und einige stürzten zurück in das Loch, das die Gestalt hinterließ. Awelia betrachtete den Elementar, den sie erschaffen hatte. Er war noch größer als Ka'dal, und ziemlich grobschlächtig vom Aussehen. Doch sie wusste, es würde reichen. „Und er macht, was du sagst?“ fragte Feron hinter ihr mit leicht nervöser Stimme. Die Zauberin nickte. „Er ist praktisch eine Erweiterung meines Körpers. So wie der Adler in Karturas. Zugegebenermaßen nicht besonders hübsch, aber es ist dunkel, und der Untergrund ist nicht homogen.“ antwortete sie. „Er wird seinen Zweck erfüllen.“

Dara und Ka'dal machten große Augen, als sie am Morgen den Erdelementar sahen. Awelia erklärte, dass sie wahrscheinlich jede Hilfe brauchen könnten, und die beiden hatten kein Problem damit. „Wenn das tatsächlich so hässlich wird, wie ich befürchte, dann kann ruhig ein großer Steinbrocken das Kämpfen übernehmen.“ sagte die Wächterin und blickte zu dem reglosen Elementar hinüber. Bald darauf verzauberte Awelia sie alle mit ihrem Windlauf, damit sie über das Wasser gehen konnten. Sogar Ka'dal ließ sich verzaubern, denn die Echse traute sich nicht mehr ins Wasser und murmelte beständig etwas über Flüche und Omen. Nachdem sie sicher waren, dass kein Schiff in Sicht war, brachen sie auf. Während sich alle umsahen, in steter Erwartung eines weiteren Piratenschiffs, betrachtete Awelia das Wasser unter ihnen. Nichts rührte sich darin. Es gab keine Fische und keine Pflanzen. Es war, als ob das Wasser tot war. Vielleicht habe ich den Zauber falsch eingeschätzt. dachte sie traurig. Vielleicht wirkt er im Wasser stärker, und alles unterhalb der Meeresoberfläche ist bereits tot. Sie beugte sich nach unten und steckte eine Hand ins Wasser. Es war sehr warm. „Was hast du, Awelia?“ fragte Dara neben ihr. „Heute endet es.“ sagte die Zauberin nur.
Unbehelligt erreichten sie das Ufer der Vulkaninsel. Der Berg erhob sich hoch und die Aschesäule verdeckte die Sonne. Immer wieder wurden rotglühende Brocken ausgeworfen und kullerten den Hang hinunter. Doch es gab immer noch Palmen und ein knappes Dickicht, wenn auch deutlich weniger als auf den anderen Inseln, die sie gesehen hatten. „Wir die Ersssten ssseit Knochen kamen. Nicht wisssen wasss unsss erwartet.“ knurrte Ka'dal. Nach einer kurzen Pause machten sie sich auf den Weg zum Vulkan.

Die Sonne erreichte den Zenit, und sie verließen den Wald auf eine große Lichtung. Sie konnten überall Ruinen sehen. „Es scheint, als ob die Ruinen sich bis zum Vulkan fortsetzen.“ sagte Feron leise. „Kannst du etwas sehen?“ fragte er, an Awelia gerichtet. Sie schloss die Augen und versuchte, sich zu konzentrieren. Immer wieder sah sie Fetzen der magischen Strömungen, die zum Zauber des Schatten gezogen wurde, doch es war, als stünde sie in einem Nebel. Schon nach wenigen Augenblicken fühlte sie sich elendig. Stöhnend öffnete sie die Augen wieder. „Irgendetwas ist hier. Es erstickt meine Fähigkeiten. Aber es ist nicht der Zauber, da ist noch etwas anderes.“ erklärte sie. Feron wollte etwas antworten, doch Ka'dal zog seine Axt. „Knochen!“ fauchte die Echse hasserfüllt. Alle blickten auf die Ruinen. Zwischen zwei zerstörten Häusern schlurfte eine Gestalt. Zuerst konnte Awelia sie nur schwer ausmachen und befürchtete schon, dass ein Umhang wie der ihre im Spiel wäre. Doch dann bemerkte sie, dass sie tatsächlich zum Teil durch die Kreatur durchblicken konnte. Es war ein Skelett eines Echsenmenschen, das aufrecht durch die Ruinen ging. Das hat er also die ganze Zeit mit Knochen gemeint. Der Schatten setzt die gefallenen Echsenmenschen gegen die Lebenden ein. Sie hatte von einem Zauber, der die Reanimation der Toten ermöglichte, gelesen. Es handelte sich um willenlose Sklaven, denen das Fleisch von den Knochen gefault war, und die nun nur noch den Befehlen ihres Meisters folgten. Awelia dachte nicht nach, sondern beschrieb mit zwei Fingern ein Kreuz vor sich. Der Funken in ihr flackerte auf, und ein einzelner Sonnenstrahl durchbrach die Aschewolke im Himmel. Der Skelettkrieger wurde vom Licht getroffen und zerfiel augenblicklich in einen Haufen Knochen. Weitere Skelette tapsten zwischen den Ruinen hervor und scharrten sich um die Knochen. Wie ein Mann drehten sie sich zu Awelia und den anderen herum und kamen auf sie zu. „Scheiße!“ fluchte Feron. „Tut mir Leid, das war dumm von mit.“ sagte Awelia. „Wasss nun, kämpfe oder nicht?“ fragte Ka'dal laut. „Wir müssen durch sie durch, wenn wir zum Vulkan wollen.“ antwortete Dara und zog ihr Schwert. „Lasst sie ran kommen.“ sagte Feron und blickte auf das Dutzend Skelettkrieger, dass sich ihnen näherte. Awelia sah sich um und bemerkte den Erdelementar, der stumm hinter ihr stand. Richtig, ich kann ihm ja immer noch sagen, was er machen soll. schalt sie sich in Gedanken. Sie brauchte nicht einmal die Augen zu schließen, und der Elementar stapfte zischen ihnen durch auf die angreifenden Skelette zu. Noch im Laufen holte ihr Diener aus und zerschmetterte das erste Skelett in tausend Stücke. Die übrigen gingen sofort zum Angriff über, doch da der Elementar aus Stein war, konnten sie nichts ausrichten. Mindestens eines der Schwerter zerbrach beim Angriff, und einen nach dem anderen zerstörte der Erdelementar die Skelettkrieger. Awelia blickte mit einem gewissen Stolz zu den anderen. „Beeindruckend.“ gab Feron zu. „Aber ich hab das Gefühl, dass das nicht reichen wird.“

Sie folgten dem Erdelementar durch die Ruinen. Immer wieder griffen Skelettkrieger an, doch der Elementar zerstörte sie alle. „Sind die wirklich so dumm?“ flüsterte Feron irgendwann. Awelia wusste, was er meinte. Die Skelette hatten keine Chance, trotzdem griffen sie immer wieder den wandelnden Steinkoloss an.
Sie hatten den Vulkan fast erreicht, der Wald an den Rändern der Ruinenstadt blieb bereits hinter ihnen zurück, als die ersten Pfeile den Erdelementar trafen. Zuerst waren sie überrascht, denn jeder Einschlag war durch ein scharfes, metallenes Geräusch zu hören. Dann sahen sie die zerbrochenen Pfeile, die von der steinernen Haut wegflogen. „Selbst das bringt nichts.“ sagte Awelia verblüfft und belustigt gleichermaßen. „Warten.“ stieß Ka'dal plötzlich hervor. Sie drehten sich zur Echse um, die auf die Ruinen neben ihnen starrte. „Vorsicht!“ schrie Dara und stieß Awelia unsanft vorwärts. Die Zauberin hörte das Geräusch eines einschlagenden Pfeils deutlich näher, als ihr lieb war. Sie wollte sich umsehen, doch die Wächterin schob sie weiter.
Feron hastete in Deckung, als die Bogenschützen ihr Ziel wechselten und statt des Steinmonsters etwas angriffen, das sie tatsächlich töten konnten. Noch bevor er die schützende Ruine erreichte, sah er, wie Skelettkrieger dahinter hervorgestürmt kamen. Innerlich lobte er den Gegner für den gelungen Hinterhalt, und verfluchte sich selbst dafür, dass er es nicht hatte kommen sehen. Die Echse war direkt neben ihm, mit der Axt in der Hand. Feron zog ebenfalls und Seite an Seite stürzten sie sich in die Gegner. Ferons erster Hieb halbierte ein Skelett, der Zweite wurde pariert. Er trat den Skelettkrieger um, und durchbohrte seine Stirn mit einem kurzen Stoß. Glücklicherweise schien das zu reichen, denn das Skelett machte keine Anstalten, wieder aufzustehen. Ein weiterer Gegner an seiner Seite wurde in einem Schauer aus Knochensplittern zerstört. Die barbarische Klinge der Echse machte keine sauberen Schnitte, sondern zerfetzte alles, was ihr in die Quere kam. Feron hackte einem Skelett den Waffenarm ab und enthauptete ein anderes. Der verstümmelte Skelettkrieger packte ihn und Feron brach ihm mit einem Ellbogenstoß den Kiefer, bevor er ihn mit dem Schwert durchbohrte. Keuchend sah er sich um. Fürs erste waren keine weiteren Skelette in Sicht.
Awelia hockte mit Dara hinter einer Ruine. Beständig prasselten Pfeile auf sie nieder. In der Nähe wurde gekämpft. „Wir müssen die verdammten Bogenschützen loswerden.“ fluchte Dara laut. „Ich kann sie nicht sehen, ich weiß nicht, wohin ich den Erdelementar schicken soll.“ gab Awelia zurück und versuchte, um die Ecke zu spähen. Ein Pfeil schrammte knapp an ihrem Gesicht vorbei. Die Wächterin zog sie zurück. „Lass dir was einfallen.“ schrie Dara und zerstörte den ersten Skelettkrieger, der in ihre Richtung kam. Sie hatte recht. Die ganze Zeit hatte sie sich hinter ihrem steinernen Diener sicher gefühlt, doch jetzt half es ihr wenig. Es sei denn … dachte sie und schloss die Augen. Alles um sie herum war gedämpft. Es war, als läge etwas unendlich Schweres auf ihr. Doch sie konnte immer noch dem magischen Band zum Erdelementar folgen. Sie sah durch die starren, nie blinzelnden Augen des Elementars. Rasch entdeckte sie, aus welcher Richtung die Pfeile kamen und schickte den Elementar auf den Weg. Doch er war langsam. Es ist mehr nötig, als ihm nur zu sagen, was er machen soll. Ich muss es selbst tun. dachte Awelia grimmig, und sie übernahm die Kontrolle über den Erdelementar. Es war ein seltsames Gefühl, als ob sie in einem dicken, steifen Kleid steckte. Sie beschleunigte ihre Schritte und wäre fast gestürzt. Beim nächsten Versuch klappte es besser, und sie hielt auf die Bogenschützen zu. Sie hatten sich in den Resten eines Turms versteckt, und beschossen von dort aus Awelia und die anderen. Awelia hielt sich nicht damit auf, einen Eingang zu suchen. Sie rannte einfach durch die Wand durch, die, vom Alter geschwächt, brach. Die Zauberin kam auf der andern Seite des Turms zum Stehen, währen hinter ihr die Ruine mit lautem Gepolter in einer Staub- und Trümmerwolke zusammenbrach. Als sie sich umsah, konnte sie keine intakten Skelette mehr erkennen. Vorsichtig öffnete sie die Augen, ihre eigenen Augen.
Feron und Ka'dal eilten zu Dara, die von mehreren Skeletten bedrängt wurde. Die Frau blutete aus einer Schnittwunde am Arm. Awelia saß nur wenige Schritte entfernt regungslos an eine Ruine gelehnt. Hastig stürmte Feron vor und rannte zwei Skelett über den Haufen. Er überließ sie Dara, während er selbst zwei weitere auseinander nahm. Die Reste waren schnell beseitigt. Nachdem sie sichergestellt hatten, dass keine weiteren Skelettkrieger in ihrer Nähe waren, ging er zu der Wächterin. „Halb so wild.“ winkte sie ab und sah nach Awelia. Die Zauberin hatte gerade die Augen wieder geöffnet. „Hast du es geschafft?“ fragte Dara. „Natürlich.“ antwortete Awelia perplex. Erst jetzt ging ihnen auf, dass es keine Pfeile mehr regnete.

Nachdem sie sich gesammelt und Daras Verletzung notdürftig mit einem Stofftuch verbunden hatten, setzten sie ihren Weg fort. Awelia hatte nicht genug Konzentration aufbringen können, um Heilmagie zu wirken. Schließlich erreichten sie den Fuß des Vulkans, der jetzt wie ein drohendes, Feuer spuckendes Monstrum über ihnen ragte. Es gab einen großen Höhleneingang, und sie bewegten sich zielstrebig darauf zu. Ein Klappern drang aus der Höhle. Das Klappern von Knochen auf Knochen. Eine Kreatur trat aus der Dunkelheit des Eingangs und sah sich mit ihrem riesigen Schädel um. Während die anderen entsetzt und fassungslos auf das Skelettkonstrukt starrten, wusste Awelia, womit sie es zu tun hatten. „Das ist ein Knochenhorror.“ sagte sie, mehr überrascht als alles andere. Das Skelett hatte eine entfernte Ähnlichkeit mit einem Alligator, wenn man davon absah, dass es drei Schritt hoch und über fünfzehn lang war. Und noch dazu untot. dachte Awelia.
Der Erdelementar marschierte vor und der Knochenhorror wandte sich dem Neuankömmling zu. Die Kreatur schien unschlüssig zu sein, was sie mit dem Steinkoloss machen sollte. Doch als der Elementar sie fast erreicht hatte, schoss sie plötzlich mit unnatürlicher Geschwindigkeit vor. Die mächtigen Kiefer schlossen sich um die obere Hälfte des Erdelementars und verbissen sich wie ein Raubtier in seinem Opfer. Der Knochenhorror schüttelte den Kopf, und mit lautem Knacken wurde der Elementar in zwei Hälften gebissen. Awelia fühlte einen scharfen Stich in ihrem Kopf, als die magische Verbindung riss. Die Reste des Erdelementars regneten als Steine herab und kullerten aus dem Hals des Skeletts auf den Boden. „Was zur Hölle?“ sagte Feron fassungslos. Als ob es ihn gehört hatte, drehte sich der Knochenhorror zu ihnen herum und kam langsam auf sie zu.
„Was machen wir jetzt?“ rief Feron, während der Knochenhorror zielstrebig auf sie zukam. „Deine Klinge kann ihn verletzen!“ antwortete Awelia und begann zu zaubern. Feron trat mit gezogenem Schwert vor. Das letzte Stück spurtete das Skelett und er warf sich gerade rechtzeitig zur Seite, um nicht unter den Klauen zu landen. Er warf einen kurzen Blick auf die Anderen. Dara hatte Awelia schützend zur Seite gerissen, und sie so beim Zaubern gehindert. Ka'dal attackierte das Skelett in der Seite. Feron sprang auf und stürmte auf den Knochenhorror zu. Sein Hieb traf eines der Hinterbeine, und die Knochen knackten laut. Sofort fuhr das Monster herum und schnappte mit seinen gewaltigen Kiefern nach ihm. Er sprang gerade so zurück und holte weit aus. Silberschlag schien sich angespannt, einen Gegner zu haben, der so große wie ein Drache war. Es knackte erneut, als er mit aller Kraft auf den Schädel schlug. Feron konnte sogar einen kleinen Riss sehen, doch er hatte kaum Zeit, sich darüber zu freuen. Der Knochenhorror versuchte, ihn zu überrennen. Einzig und allein die Tatsache, dass das Skelett viel zu groß war, verhinderte, der Drachentöter tot getrampelt wurde. Noch bevor er sich aufrappeln konnte, kam die Kreatur erneut angerannt. Ein Sonnenstrahl traf sie in die Flanke, und sie zuckte zur Seite. Das Skelett rannte zu Awelia, die sich hastig hinter einer Ruine in Sicherheit brachte. Feron folgte ihm und griff erneut an. Diesmal schaffte er es, eine der Rippen abzuschlagen. Der losgelöste Knochen kullerte über den Boden und sein ehemaliger Besitzer fuhr herum. Im selben Moment, als der Knochenhorror nach ihm schnappte, stieß der Drachentöter zu. Die Klinge verkeilte sich zwischen den Zähnen und steckte fest. Feron trat gegen den Schädel und versuchte, Silberschlag frei zu bekommen. Awelia nutzte die Gunst des Augenblicks und ein weiterer Sonnenstrahl aus dem Himmel traf. Silberschlag zuckte, mehrere Zähne des Skeletts brachen ab und das Schwert war wieder frei. Es schien, als würde die Magie, die den Knochenhorror am Leben hielt, nachlassen. Feron führte mehrere schnelle Schläge, die tiefe Kerben hinterließen. Der Kopf der Kreatur sank zu Boden und der Drachentöter schlug mit aller Kraft zu. Knochen splitterten und der Knochenhorror erschauderte. Er warf sich ein letztes mal zur Seite und zerfiel langsam in seine Einzelteile.

Während sie zu Atem kamen, sahen sie sich um. Sie standen nicht weit von der Vulkanhöhle entfernt, doch sie konnten keine weiteren Skelette entdecken. Wenn es noch welche gab, dann hielten sie sich versteckt. „Haben wir gewonnen?“ fragte Dara vorsichtig. „Nein, der Zauber ist noch da.“ sagte Awelia und deutete auf den Vulkan, der jetzt stärker Feuer spuckte.
Vorsichtig betraten sie die Höhle. Es wurde nicht wirklich dunkel, denn sie konnten trotz der Biegungen, die vor ihnen waren, ein rötliches Licht erkennen. Sie hörten ein dumpfes Grollen, das lauter wurde, je weiter sie gingen. Awelia spürte, wie sich eine Last auf ihren Geist legte, doch sie konnte es nicht beschreiben. Was ist das? Es ist als ob mich etwas betäubt. Es ist nicht der Zauber, etwas anderes ist hier. dachte sie.
Sie verließen die Höhle und traten auf eine schmale, natürliche Brücke. Das Grollen kam von unten, und sie starrten auf die brodelnde Lava. Auf einmal fanden sie sich im Inneren des Vulkans wieder. Die Hitze war fast unerträglich. Immer wieder platzten Blasen aus flüssigem Gestein und schleuderten rotglühende Klumpen hinaus. „Das ist doch Wahnsinn!“ schrie Feron, um den Vulkan zu übertönen. Awelia gab ihm recht, doch es gab einen Grund, warum sie hier waren. Dara sah es offenbar ähnlich, denn sie erinnerte Feron an den Zauber. „Ich glaube, der Zauber schützt diesen Bereich. Wenn wir ihn beenden, werden wir verbrennen.“ rief die Zauberin gepresst vor. Sie konnte kaum noch klar denken, die Last auf ihr wuchs mit jedem Schritt. Awelia ging auf die Knie und versuchte, Luft zu bekommen. Über ihnen thronte ein Schatten. Niemand hatte ihn bisher bemerkt, denn alle hatten wie gebannt nach unten geblickt. Doch Awelia sah ihn. Ein gewaltiger Körper, und ebenso gewaltige Schwingen. „Bei den Göttern!“ schrie Dara, als sie ebenfalls den Drachen bemerkte.

Auf Daras Ruf hin zog Feron sein Schwert. Er erkannte die Konturen über ihnen, er musste nicht erst warten, bis das Untier auf sie herabgestürzt kam. Schützend stellte er sich vor Awelia. Doch der Angriff kam nicht. Der Drache verharrte regungslos einige Schritt über ihnen. Jetzt, wo Feron ihn genauer betrachtete, fiel ihm auf, dass der Drache eher hing. Schwere Eisenbeschläge waren an den Flügeln angebracht, deren Enden violett leuchteten, und die das Monstrum gefangen in der Luft hielten. Nur der Kopf und der Schwanz hingen leblos herab. Der Drache hing über einem kleinen Ausläufer ihrer Brücke und eine Flüssigkeit tropfte herab. Nahe der Lache, die sich gebildet hatte, lag ein Haufen Knochen. „Was ist das hier?“ fragte er schreiend.
Awelia verstand, was sie gesehen hatte. Der Zauber war ein Meisterstück und eine grauenvolle Schandtat zugleich. Als ihr vor Erschöpfung die Augen zugefallen waren, hatte sie die magischen Strömungen gesehen. Es erforderte Konzentration, weiter zu machen, und sie bekam schreckliche Kopfschmerzen, doch sie musste es tun, um zu verstehen. Die Komplexität war gewaltig. Von außen hatte es ultimativ sinnlos ausgesehen, aber der Schatten war nicht dumm. Er hätte die Mühen, die mit dieser Magie verbunden waren, nicht auf sich genommen, wenn es sinnlos wäre. Die Magie wurde tatsächlich für die Erwärmung der Perleninseln verwendet, so lange es auch dauern mochte. Doch ein Teil wurde in Kas'hal'mar geleitet. Die Zauberin erkannte den Drachen wieder, auch wenn sie nicht wusste, woher. Ihre Gedanken glitten zu dem großen Geist, der über ihr in magischen Ketten hing. Er war fundamental anders als Zakar. Während der Große Feuersturm typisch egozentrisch und wütend gewesen war, schien es, als ob Kas'hal'mar bereits aufgegeben hätte. Wer weiß, wie lange er schon in diesem Zustand ist? fragte sich Awelia und berührte den Geist des Drachen. Sie hatte mit Wut gerechnet, Schock oder auch Furcht. Doch stattdessen kam keine Reaktion. Mit mulmigem Gefühl drang sie in die Magie des Drachen ein. Sie spürte Leid und Schmerz, und sie sah die Fäulnis, die sich in den Eingeweiden der Kreatur ausgebreitet hatte. Wer … ist da? hörte sie eine zögerliche Stimme. Ich bin Awelia. Was haben sie dir angetan? fragte die Zauberin zurück. Awelia … Awelia … diesen Namen kenne ich nicht. antwortete der Drache langsam. Aber ich kenne deinen, Kas'hal'mar. Diesmal kam die Reaktion schneller, also ob die Erinnerung an seinen Namen die Kreatur geweckt hätte. Der Drache erzählte ihr, wie ein schwarz gerüsteter Krieger ihn gefangen genommen und in diesen Berg gesperrt hatte. Er war nun untrennbar mit dem Berg verbunden, und würde auf ewig für seine Häscher die Toten erwecken. Und nichts wird daran etwas ändern. schloss der Drache und schwieg. Awelia wusste nicht, was sie sagen sollte. Konnte sie wirklich diese geschundene, bedauernswerte Seele für die Perleninseln opfern, oder konnte sie den Drachen noch irgendwie retten. Eine neue Stimme ertönte. Ja, Kas'hal'mar hat seinen endgültigen Zweck gefunden. Bis ans Ende der Zeit wird er an diesen Berg gebunden sein, um die auszulöschen, die ihn einst angebetet haben. spottete die Stimme. Wut überkam Awelia, denn sie erkannte die Stimme nur zu gut. Du. Nicht Kas'loh'ran sondern du hast den Drachen hier gefangen. dachte sie erbost. Der Schatten lachte süffisant. Warum tust du das alles? fragte sie mit unterdrückter Wut. Hast du es immer noch nicht begriffen? Vielleicht wirst du es eines Tages, bevor ich dich endgültig besiege. Doch auch lange danach wird der Drache noch hier sein, denn du kannst nichts tun. lachte der Schatten. Nein, denn es endet heute! Kas'hal'mar wird nicht länger dein Sklave sein! schrie sie wütend und öffnete die Augen.
Feron wusste nicht, was geschehen war, doch Awelia hatte geschrien. Er verstand nicht wirklich, was sie meinte, doch bei ihrem wütenden Gesichtsausdruck mochte er lieber keine Fragen stellen. Die Zauberin legte beide Hände auf den Boden und schloss die Augen erneut. Feron legte den Kopf in den Nacken, und blickte dem Drachen genau in die Augen. Die Kreatur betrachtete die Menschen unter sich verwirrt. Ka'dal fiel auf die Knie, Feron hoffte als Zeichen irgendeines kulturellen Respekts. „Dann seid ihr tatsächlich gekommen … um diesen Zauber zu beenden?“ fragte der Drache. Die Stimme klang wie eine rasselnde, rostige Kette. Zähflüssiger Eiter troff aus dem Maul des Drachen. „Und du?“ fragte die Kreatur weiter mit Blick auf Feron, ohne auf eine Antwort zu warten. „Willst du mich töten, Drachentöter?“ Feron schluckte schwer. „Nur wenn Awelia es sagt.“ antwortete er halblaut. Er wusste nicht, woher die Kreatur wusste, dass er bereits einen Drachen getötet hatte. Vielleicht war es etwas, dass ihm nun anhaftete, und für alle Drachen erkennbar war. „Nur wenn sie es sagt. Oder wenn du ihr etwas antun willst.“ wiederholte er. Der Drache verfiel in Schweigen.
Awelia war bereit. Der Zauber war komplex und mächtig, doch es gab genug Stellen, an denen sie nur ziehen brauchte, um Teile davon aufzulösen. Sie hatte Stück für Stück betrachtet, und sich an lose Enden und einzelne Elemente geheftet. Wenn sie jetzt nach und nach losließ, dann würde der ganze Zauber zerfallen und langsam seine Wirkung verlieren. Antimagie war eine Kunst für sich, doch sie war sich sicher, dass sie ihre Sache gut gemacht hatte. Sie würden nicht sofort verbrennen, und auch Kas'hal'mar sollte mehr oder weniger unverletzt bleiben.
„Achtung!“ rief Awelia plötzlich, und eine violette Schockwelle ging von ihr aus. Feron wurde umgeworfen und wäre beinahe in die Lava gestürzt. Ka'dal, der immer noch gehockt hatte, war vorgesprungen und hatte ihn rechtzeitig gepackt. Dara war zwar ebenfalls gestürzt, lag jedoch sicher auf dem schmalen Steg. Es gab ein heftiges Beben, gefolgt von einem lauten Dröhnen. Fast unbemerkt stürzte der Drache auf die Insel. Vorsichtig erhoben sie sich. „Wir haben ein paar Minuten, bevor uns die Hitze verbrennt. Weniger, wenn der Schatten noch einwirken kann.“ rief Awelia. „Was ist mit … ihm?“ fragte Feron und zeigte auf den Drachen. „Seine Schuppenhaut schützt ihn vor der Lava. Komm jetzt!“ rief die Zauberin, doch er hielt sie zurück. „Da!“ er zeigte auf die Wunde. Feron hatte sie selbst erst gesehen, nachdem der Drache zu Boden gefallen war. Im Bauch der Kreatur prangte eine große Wunde, aus der jetzt große Mengen Eiter flossen. Der Drache selbst stand auf zitternden Beinen, die er seit unzähligen Jahren nicht mehr benutzt hatte, und die ihm jetzt die Flucht verwehrten. Awelia schrie resigniert auf und rannte zurück. „Sieh zu, dass du hier rauskommst.“ rief sie über die Schulter. Feron zögerte. Er wollte sie nicht im Stich lassen, doch er konnte sowieso nichts mehr tun. Fluchend folgte er Dara und der Echse nach draußen.

Die Wunde sah schlimm aus. Awelia hatte die Magie dahinter gesehen, doch als sie jetzt die wirkliche Wunde sah, wurde ihr schlecht. Kas'hal'mar war übel zugerichtet und würde so schnell nicht fliehen können. Doch wenn der Schutzzauber ultimativ versagte, was nur eine Frage der Zeit war, dann würde die Hitze den Drachen töten. Awelia wusste, dass sie die Wunde verschließen musste, es wäre ein leichtes, Kas'hal'mar zu heilen. Doch zuerst musste das entfernt werden, was sie im Drachen gesehen hatte. Der Schatten hatte irgendein Artefakt zwischen den Eingeweiden der Kreatur versteckt, das die Magie und Selbstheilungskräfte des Drachen genutzt hatte, um die Skelette zu beleben. Awelia würgte und steckte den Arm in die Wunde. Kas'hal'mar knurrte vor Schmerz auf. Sie fingerte praktisch blind in den mit Eiter verklebten Gedärmen herum, doch sie fand nicht wonach sie suchte. „Das wird jetzt sehr weh tun.“ rief sie dem Drachen zu und begann zu zaubern. Ein Geysir entstand auf der Insel, wie der, den sie den Echsenmenschen vorgeführt hatte. Das klare Wasser schoss in die Wunde hinein und spülte den Eiter heraus, bevor es von der Insel floss und schlagartig verdampfte. Kas'hal'mar heulte vor Schmerz auf, doch Awelia hielt den Zauber aufrecht. Die Zauberin sah, wie immer mehr Eiter ausgewaschen wurde, und schließlich entdeckte sie auch das Artefakt, ein hässliches, stacheliges Etwas, tief in den Eingeweiden. Sie riss es heraus und warf es in die Lava, wo es mit irrem Kreischen versank. Sie warf einen letzten Blick auf die offene Wunde, und soweit sie sehen konnte war aller Eiter verschwunden. „Ich verschließe jetzt die Wunde.“ rief sie laut und stockte dann. Es wurde wärmer. Sie spürte, wie die Magie des Schutzzaubers schwand. Sie hatte zu lange gebraucht, sie würde die Wunde nicht rechtzeitig verschließen können. Geschweige denn entkommen. Kas'hal'mar blickte traurig auf sie herab, denn er spürte das selbe. Mit zusammengebissenen Zähnen dachte sie an Feron. Sie hoffte, dass er es lebend heraus geschafft hatte, und sie wünschte sich, sie könnte bei ihm sein. Als der Schutz zusammenbrach und die Lava emporschoss war der Funke in ihr das einzige, das ihr Trost spendete.

Keuchend erreichte Feron die anderen, die bereits vor dem Vulkan warteten. „Wo ist Awelia?“ fragte Dara besorgt. „Der Drache, er ist verletzt und kann nicht weg. Sie ist zu ihm zurück.“ erzählte er, während er nach Luft schnappte. „Und du hast sie gelassen?“ schrie Dara. „Dasss sssein Kas'hal'mar! Besssützer von unsss!“ rief Ka'dal dazwischen. „Sie wird sterben, du Idiot!“ schrie die Wächterin weiter und zeigte auf den Vulkan. Sie machte Anstalten, in die Höhle zurück zu rennen, doch Feron warf sich auf sie. „Sieh doch hin!“ rief er. Der Vulkan hatte aufgehört, Feuer zu spucken. Dara atmete erleichtert durch. Es gab ein scharfes Knacken und ein Schatten fiel über sie. Erschrocken fuhren sie herum, nur um sich einem Drachen gegenüber zu sehen. „Noch ein Drache?“ rief Feron entgeistert. Ka'dal fiel neben ihm auf die Knie. „Sssein Kas'hal'mar, du Dummkopf!“ zischte die Echse. Die Kreatur war ihnen halb zugewandt und jetzt erkannte er auch Awelia, die neben dem Drachen stand. Dara sprang auf und rannte zur Zauberin. „Ist alles in Ordnung mit dir, ist dir etwas passiert?“ fragte die Wächterin besorgt. Awelia sah sie erstaunt an. „Ich dachte wir würden sterben.“ gab sie zu. „Du hast uns teleportiert, Zauberin. In Sicherheit.“ grollte der Drache leise, „Könntest du dein Werk vollenden. Vorzugsweise ohne viel Schmerz, ich musste schon viel zu viel ertragen.“
Es wurde langsam dunkel. Awelia hatte die letzten Stunden damit zugebracht, die Wunde des Drachen zu heilen. Feron betrachtete das riesige Geschöpf. Welcher Glanz ihm auch einst gegeben war, er war für immer verloren. Die Schuppen waren von kränklichem Weiß, in den ledernen Schwingen klafften Löcher. Er mochte sich nicht vorstellen, welche Qualen der Drache durchleiden musste. Der Vulkan war inzwischen erloschen und die Reste der Aschesäule wurden vom Wind verweht. Der Zauber war gebrochen, und der Schatten hatte sicher einen schlechten Tag. Feron gestattete sich ein leichtes Lächeln, während die Sonne unterging.