Schatten des Sonnenuntergangs – Kapitel 3

Fast zwei Wochen waren vergangen, seit Gaius und Gnato mit dem König gesprochen hatten. Sie hatten ihre Argumente und Beweise vorgebracht, warum umgehend etwas unternommen werden musste. Einige der Dinge, die Gaius gesagt hatte, waren dem König ganz klar neu. Es gab eine lange Debatte, doch Gnato war an seiner Seite geblieben.

Am Ende hatte der König eine Expedition nach Norden erlaubt. Um die Quelle des Angriffs zu finden, der beinahe das Herz des Königreiches durchstoßen hatte. Um die feindliche Stärke zu ermitteln, Schwächen zu finden und darüber Bericht zu erstatten, um diese Bedrohung ein für alle mal zu beenden.

Und nun führte Gaius diese Expedition. Sechs Greifen einschließlich ihm selbst, die ausgewählt worden waren aufgrund ihrer Erfahrung mit dem Feind und ihren Pfadfinderfähigkeiten. Alle waren bewaffnet, manche mit Speer oder Gleve, andere mit Pfeil und Bogen. Gaius spürte den Speer kaum, der an seiner linken Flanke in der Halterung der Rüstung eingerastet war. Ähnlich zur Berateruniform führte der graue Stahl von seiner Brust entlang der Flanken zum Schwanz und bedeckte die lebenswichtigen Organe ohne seine Bewegung zu beeinträchtigen. Der Helm mit dem grauen Helmbusch der Garde saß fest auf seinem Kopf. Auf ihren Rücken trugen sie Nahrung für zwei Wochen und etwas Wasser. Doch das meiste würden sie unterwegs sammeln müssen.

Greife reisten nur selten in die Richtung, in die sie unterwegs waren, doch sie hatten ein grobes Verständnis der Topografie. Als der alte Greif nach unten blickte, sah er die Flussgrenze. Jetzt lag das Greifenkönigreich hinter ihnen und sie drangen in die Wildnis ein. So weit sie wussten gab es kein anderes Reich vor ihnen. Aber irgendwo in diesen herrenlosen Ländern voraus lauerte der Feind, bereit zuzuschlagen.

Ungezähmte Wälder und kleine Hügel zogen unter ihnen vorbei. Zur Linken konnten sie in der Ferne das trübe Meer sehen, das ihr Reich vom Ponykönigreich trennte. In der anderen Richtung war eine ungebrochene Gebirgskette, hinter der ein weitläufiger und gefährlicher Kontinent lag.

Bislang hatten sie noch keine Bewegung entdeckt, was zu erwarten war. Die Sonne neigte sich dem Horizont entgegen und bald würden sie die Hütte erreichen, ein kleiner Unterschlupf, der vor Ewigkeiten gebaut worden war. Es war der Punkt, den ein Greif sicher an einem Tag von Greifenstein aus fliegend erreichen konnte. Wie aufs Stichwort entdeckte Gaius die kleine Baute vor ihnen.

Die sechs Greife kreisten um das Gebiet, bevor sie landeten. Die Hütte, ein hölzerner Unterstand, der höchstens zwei Greife vor den Elementen schützen konnte, war leer. „Also, wie wir es besprochen haben.“ sagte Gaius, die ersten Worte, die einer von ihnen sprach seit sie ihr Königreich verlassen hatten. „Die designierten Pfadfinder schlafen drinnen, ich übernehme die erste Wache.“ Obwohl es nicht empfohlen war, nur einen Greifen als Nachtwache zu haben, dachte Gaius, dass sie sich diesen Luxus leisten konnten. Immerhin waren sie nah beim Königreich und er erwartete nicht, dass der Feind in diesen Gebieten unterwegs war.

Während die zwei mit Bögen bewaffneten Greifen es sich in der Hütte gemütlich machten, bereiteten sich die anderen auf die Nacht im Freien vor und Gaius nahm auf der Stange neben der Hütte Platz. Es war gut, dass die beiden ihren vollen Schlaf bekamen, denn sie wurden am nächsten Tag benötigt. Die Sonne verschwand irgendwo hinter dem Meer und die Welt wurde in Dunkelheit gehüllt.

Der Morgen kam nach einer ereignislosen Nacht und Gaius streckte seine alten Glieder. Beide Wachablösungen waren ohne Probleme verlaufen und die Pfadfinder verließen die Hütte gut ausgeruht. „Nun gut.“ blickte sich der alte Greif zwischen seinen Kameraden um, „Wir sollten uns nützlich machen. Gnato, nehmt Eure Gruppe ein Stück nach Süden und dann nordwärts entlang der Küste. Ich mache das Gleiche für das Gebirge. Wir treffen uns bei der nächsten Wegmarke in ein paar Stunden.“ Ein paar Greife nickten, bevor sie sich in die Luft erhoben.

Jeder Gryff wusste, was zu tun war. Nicht nur durch seine Befehle, sondern weil Gaius alles detailliert geplant hatte. Von dem Augenblick, wo der König den Befehl gegeben hatte, hatte der alte Greif alles durchgearbeitet, was er über den Feind und die Gebiete da draußen wusste, und hatte einen Plan erstellt. Und als er mit dem Ergebnis zufrieden war, war er alles zusammen mit Gnato noch einmal durchgegangen. Und dann hatten sie jede noch so kleine Information an alle weitergegeben, die mit ihnen flogen. Selbst wenn er just in diesem Moment an Altersschwäche starb, so würde die Expedition weiterlaufen und die vom König gesetzten Ziele erreichen.

Gaius beobachtete wie die zwei Greife, und besonders der Pfadfinder, aus der Luft den Boden absuchten. Ihre Fähigkeiten, selbst die kleinsten Hinweise aus der Ferne zu finden, waren herausragend. Er passte auf, dass sie ungestört blieben und sich nichts anschlich oder angeflogen kam.

Der Großteil der Zeit, bis sie zum Rendezvous-Punkt fliegen mussten, verlief ohne irgendwelche Entdeckungen und er konnte spüren, wie die anderen beiden erschöpft wurden. Plötzlich flog der Pfadfinder ein Stück zurück und ging tiefer. Sofort waren Gaius und der andere Greif an seiner Seite. „Da unten, es ist schwer zu sehen, aber es könnte Fell sein.“ berichtete der Pfadfinder. Der alte Greif beäugte das bezeichnete Gebiet. Es war ein baumloses Tal mit dichtem, dornigen Gestrüpp entlang eines Baches. Gaius konnte nichts Besonderes erkennen.

Der Pfadfinder schwebte nur knapp über dem Gestrüpp und langte vorsichtig nach unten. Nachdem er etwas gegriffen hatte kam er wieder nach oben. „Glaubt Ihr, dass es von denen ist?“ fragte er und zeigte einen Fetzen dicken schwarzen Fells. Gaius Gedanken sprangen zu den Kreaturen, gegen die er im Nahkampf gekämpft hatte. „Absolut.“ bestätigte er mit einem Nicken, „Ausgezeichnete Augen. Macht weiter so.“

„Wie sind die nur hier reingekommen?“ wunderte sich der Pfadfinder und sah sich um. „Da drüben, der Kamm ist niedergetrampelt. Von der Breite her würde ich sagen mindestens drei Kolonnen.“ erwiderte der andere Greif und zeigte zur nördlichen Seite des Tals nahe der scharf nach oben in Richtung Berge gehenden Klippe, „Sie sind wahrscheinlich überall am südlichen Ende herausgekommen, durch die Dornen.“

Gaius pflichtete der Einschätzung bei. Auch wenn das Tal gefährlich war, so verbarg es einen herannahenden Feind doch gut vor Blicken, im Gegensatz zum Gebirge. Und es war noch nah genug an besagtem Gebirge, um sich daran zu orientieren. Er war positiv überrascht, wie schnell sie Spuren der Angreifer gefunden hatten, gerade weil so viel Zeit vergangen war. „Wir machen weiter wie geplant und berichten das dann den anderen.“ befahl Gaius.

Einige Stunden später erreichten sie den Rendezvous-Punkt, einen großen, kahlen Hügel der als Berg durchgehen konnte. Die andere Gruppe wartete bereits auf sie. Als Gaius landete sah er zu Gnato. „Bericht.“ befahl er. Gnato trat einen Schritt vor, bevor er sprach. „Wir haben keine Spuren von den Angreifern gefunden, weder an der Küste noch der Klippe landeinwärts. Aber wir haben zwei Bienenbären bemerkt und entschlossen, uns darum zu kümmern.“ Der Junge sah ziemlich zufrieden mit sich aus und Gaius stimmte zu. Zwar waren Bienenbären so weit draußen kaum eine Bedrohung, doch verursachten sie an der Grenze des Königreichs seit vielen Jahren Probleme. „Gute Arbeit.“ kommentierte er und sah an ihren Gesichtern, dass sie wussten, dass etwas passiert war.

„Wir haben Spuren vom Feind gefunden. Fell und einen ausgetrampelten Pfad, passend zur Beschreibung und Zahl des Feindes.“ berichtete er die Entdeckung seiner Gruppe, bevor er dem Pfadfinder befahl, den anderen das Fell zu zeigen.

Während sie sich auf die Nacht vorbereiteten und eine provisorische Sitzstange aufstellten, wandte sich Gaius an Gnato. „Könntet Ihr mir die Karte geben?“ fragte er und nahm die ihm gereichte Schriftrolle entgegen. Der Junge stand neben ihm, um ihm zu assistieren, denn er war wesentlich besser in diesen Dingen als Gaius. Während der alte Greif die Gebiete vor ihnen studierte, murmelte er „Wir haben sie schneller gefunden als erwartet, also müssen wir das Suchmuster anpassen. Und wir müssen aufpassen, dass sie nicht über das Gebirge entwischen. Es gibt ein paar offensichtliche Stellen dafür.“

Der nächste Morgen kam und alle sechs flogen sie Richtung des Gebirges. Bald darauf teilten sie sich wieder in zwei Gruppen auf, eine über den Wäldern nahe der Berge und die andere am Fuß des Gebirges. Diesmal waren sie in Sichtweite voneinander, auch wenn sie um die zehn Meilen auseinander waren. Daher konnten sie ihre Suchgeschwindigkeit aneinander ausrichten.

Die folgenden Tage vergingen auf diese Art, sie flogen nach Norden und suchten nach Hinweisen feindlicher Aufenthaltsorte. Sie rasteten nachts mit einigen Greifen als Wache. Hin und wieder fanden sie Spuren. Zertrampelte Vegetation, Reste von Nachtlagern. Die Greife stellten sicher, dass der Feind nicht über das Gebirge entkommen war. Alles lief gut und sie machten rasch Fortschritte.

Und Gaius mochte es kein bisschen. War der Feind wirklich so blauäugig? Natürlich waren sie weit entfernt vom Greifenkönigreich, die feindliche Armee hätte zwei oder drei Tage gebraucht für die Strecke, die die Greife an einem Tag zurücklegten. Aber die dauernden Hinweise ihrer Marschrute, ihrer Herkunft, waren verblüffend. Sie führten sie direkt zu sich nach Hause. Wenn sie nur etwas vorsichtig gewesen wären, dann hätten die Greife Probleme ihren Spuren zu folgen.

Eines Abends wunderte sich der alte Greif, ob Guto recht hatte. Ein feindliches Militär, das so töricht war, hatte kein Recht fortzubestehen und war ihre Zeit nicht wert. Er blickte über das weitläufige, unbekannte Land und schüttelte den Kopf. Der Feind hatte enorme Anstrengungen auf sich genommen, war wochenlang marschiert, hatte einen ganzen Außenposten zerstört und war in ihr Königreich geschnitten wie ein Speer, bevor die Greife überhaupt begriffen hatten was geschah. Und es war verdammtes Glück, dass das Königreich noch bestand. Sie mochten schlecht im Militär sein, aber sie waren entschlossen.

Nach fast einer Woche hatten sie den Feind weiter nach Norden verfolgt, ohne Hinweise darauf, dass die Spuren je die Wälder nahe des Gebirges verließen. Vor ihnen lag in der Ferne ein weiteres Gebirge. Gaius kannte es nur von Büchern und Karten. Der Ourea-Rücken. Im Greifenkönigreich gab es kein Wissen, was dahinter lag, dies war der weiteste Punkt, an den je ein Greif vorgedrungen war. So wie es aussah, würden sie bald diesen Punkt überschreiten.

Je näher sie dem Rücken kamen, um so kälter wurde es. Die Bäume standen weiter und weiter auseinander und das Unterholz dünnte sich erst aus und verschwand dann vollständig. Vor ihnen war Schnee. Und dann erreichte die Expedition den Fuß des Ourea-Rücken. Es war kalt, ein strenger Wind ging und keine Wolken waren am Himmel.

„Seid Ihr sicher, dass wir weitermachen sollen?“ fragte einer der Pfadfinder mit Sorge in der Stimme. Gaius sah zurück auf die teilweise grünen Gebiete hinter ihnen, ihre Heimat weit hinter dem Horizont, und dann nach vorn und oben, die Berge beäugend. Während sie kaltes Wetter erwartet hatten, hatten sie nicht erwartet, so weit nach Norden vorzudringen. Aber sie hatten immer noch eine Aufgabe zu erledigen. „Ich will zumindest das Gebiet hinter den ersten Bergen erkunden, damit wir einen Einstiegspunkt für zukünftige Bemühungen haben.“ erwiderte der alte Greif, nachdem er einen Moment lang nachgedacht hatte.

Sie verbrachten ein paar Stunden damit, den wahrscheinlichsten Aufstiegsweg der Angreifer zu finden und entdeckten einen Pfad, der zwischen zwei der Berge hinaufführte. Auch wenn er etwas überschneit war, so war offensichtlich, dass viele Kreaturen hier entlanggekommen waren und der alte Schnee war von ihrem Gewicht zusammengedrückt worden. Da der Tag bereits zum Nachmittag vorangeschritten war, würden sie ihre Reise am nächsten Tag fortsetzen.

Die sechs Greife zogen sich zur den spärlichen Bäumen eine halbe Stunde vom Fuß des Rückens zurück. Es gab nicht viel Deckung, aber wenig war besser als nichts. Und so begannen sie, sich auf die Nacht vorzubereiten. Morgen würden sie den letzten Teil dieser Expedition beginnen.

Gaius erinnerte sich selbst daran, dass dies seine Idee war. Aber so sehr er den Feind tot sehen wollte, so befreite ihn das nicht von seiner Verantwortung gegenüber den fünf Leben bei ihm. Diese Expedition war eine Erkundungstruppe und ihre Kräfte reichten nicht für einen vollen Kampf. Sobald sie ausreichend Informationen hatten oder das Wetter zu schlecht wurde, würden sie zum Greifenkönigreich zurückkehren.

Als die Sonne verschwand und die Nacht über ihnen hereinbrach erinnerte er sich an den letzten Tag vor Beginn der Expedition. Er war ein letztes mal im Palast gewesen um Besorgungen zu erledigen. Durch eine Tür, die nicht richtig geschlossen war, hatte er die Stimme von Guto gehört gehabt. Der königliche Ratgeber hatte mit einem anderen Greifen gesprochen und sich gewünscht, dass der alte, mürrische Greif nie zurückkehren möge. Nun seufzte dieser alte, mürrische Greif leise und blickte hinab auf Gnato, der bereits schlief. Wenn sie fielen, dann hätte Guto zwei Probleme weniger und würde wahrscheinlich der neue König werden.

Der nächste Morgen kam und die Expedition startete ins Gebirge. Rasch überprüften sie den Pfad, den sie am Vortag entdeckt hatten, aber keine Kreatur hatte ihn in den letzten Stunden genutzt. Dann folgten die Greife dem Pfad zwischen den Bergen hinauf. Der Wind wurde stärker und sie waren gezwungen, knapp über dem Boden zu fliegen. Schließlich mussten sie laufen, da es zu anstrengend wurde, in der Luft zu bleiben.

Nach ein paar Stunden hatten sie den höchsten Punkt der schneebedeckten Flanke erreicht und konnten tiefer in den Ourea blicken. Es war anders als alles, was er je gesehen hatte. Vor ihnen lag eine zerklüftete Landschaft mit kleinen, steilen Gipfeln und tiefen Klippen, die sich so weit ausbreiteten wie der Berg neben ihnen breit war. Dahinter lag scheinbar eine flache Ebene.

Die anderen schauten ihn an und warteten auf eine Entscheidung. Gaius war unsicher. Das Land voraus war tückisch, mit starken, sich kontinuierlich ändernden Winden und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Er war sich sicher, dass sie es durchqueren konnten, doch würden sie ihre Vorteile von Flug und Geschwindigkeit einbüßen. „Seht Ihr den Gipfel da? Mit der kleinen Kante an der Seite, die wie ein Plateau aussieht?“ fragte Gnato plötzlich und zeigte in den Ourea hinein. Er wartete einen Moment, bis sie sahen was er sah. Der Gipfel, den er beschrieb, lag tief im zerklüfteten Gelände, aber er war höher als die anderen und bot einen ausgezeichneten Aussichtspunkt.

„Der Junge hat recht.“ sagte Gaius, „Wir sollten ihn bis zur Nacht erreichen können. Merkt Euch den Pfad, wir können ihn von hier sehen. Wir folgen nicht der feindlichen Spur, aber wir merken uns wo sie hinführt. Und wir vermeiden den Kampf, wenn es geht.“ Damit war die Entscheidung gefallen und sie betraten das unbekannte Land.

Der Pfad führte entlang schmaler Grate neben tiefen Schluchten, unter schneebedeckten überstehenden Felsen hindurch und über Eisbrücken hinweg. Der eiskalte Wind kam von jeder Richtung und zog an ihren Flügeln. Und Schnee und Eis auf dem Pfad verlangsamten sie enorm und waren bestenfalls gefährlich.

Schon bald verließen sie den freien Pfad, den die feindliche Armee genommen hatte, doch der, den sie jetzt nutzten, zeigte ebenfalls Nutzungsspuren. Auf Gaius wirkte es, als würden sie sich der feindlichen Heimat nähern. Bei einer besonders gefährlichen Eisbrücke bemerkten sie eine Leiche am Boden der Klippe tief unter ihnen, die kaum sichtbar war. Es war eine schwarzpelzige, gehörnte Kreatur, die halb von Schnee bedeckt war.

Endlich erreichten sie den Gipfel, den sie vor Stunden entdeckt hatten, aber die Schatten wurden bereits länger. Sie hatten wesentlich mehr Zeit durch den tiefen Schnee verloren als erwartet. „Klettert auf das Plateau, wir übernachten dort!“ rief Gaius über den Wind und die Greife nickten grimmig. Sie wussten alle, dass ihre Position nicht ideal war. Aber sie mussten jetzt damit klarkommen.

Oben auf dem Plateau war die Fläche glücklicherweise ausreichend groß, damit sie alle Platz hatten. Einer der Pfadfinder hatte sein Bein an einem scharfen Felsen verletzt und sie verbanden es rasch. Aber es würde sie noch weiter verlangsamen und es gab eine kleine aber reale Chance, dass er das Bein durch die Kälte verlor. Gaius Verstand arbeitete. Er wusste, er hätte an der Kante stoppen können oder vielleicht sogar müssen. Aber er hatte mit den Informationen gearbeitet, die er hatte und konnte seine Entscheidung jetzt nicht ändern. Am Morgen würden die besten Kletterer den Gipfel ausspähen und dann würden sie direkt nach Greifenstein zurückkehren.

Gaius schlief schlecht vor und nachdem er die zweite Wache übernommen hatte. Der heulende Wind hielt seinen Verstand wach und die Kälte kroch durch seine unzureichende Kleidung und Decke. Plötzlich spürte er eine Klaue auf seinem Schnabel und sofort waren seine Augen geöffnet. Ein anderer Greif stand über ihm. Die Klaue drückte leicht auf seinen Schnabel, ein allgemeines Signal aufzuwachen und still zu sein. Vorsichtig stand er auf und sein Verstand war bereits hellwach und nahm seine Umgebung wahr. Das Plateau war so wie er es in Erinnerung hatte, aber jetzt weckte die Nachtwache die anderen. Die Sonne kroch gerade über den Horizont und spendete etwas Licht.

Sobald alle Greifen auf den Beinen waren, signalisierte die Wache mit den Klauen. Die Zeichen, immer dann genutzt, wenn Reden nicht möglich war, bedeuteten dass drei Feinde unter ihnen waren. Gemäß der Gesten waren es die Kreaturen, die das Greifenkönigreich angegriffen hatten, und sie bewegten sich auf dem Pfad unter ihnen in die Richtung, aus der die Greife gekommen waren.

Gaius trat näher an die Kante. Wenn sie so früh hier waren, dann bedeutete das, dass sie entweder nachtaktiv waren, was dem Verhalten während des Angriffs auf das Königreich widersprach, oder dass sie ein Lager in der Nähe hatten. Ein weiterer Pfad, eine Meile entfernt und durch mehrere Klippen und kleinere Hügel getrennt, kam in Sicht. Da waren feindliche Truppen. Für einen Moment war er verwirrt, ob der Wachtposten diese Kreaturen gesehen und einen Kommunikationsfehler gemacht hatte. Aber es waren nur zwei und es war unmöglich dass sich die Wache verzählt hatte. Mit einer raschen aber vorsichtigen Bewegung blickte er über die Kante.

Fast direkt unter ihm waren drei einäugige Bestien auf dem Pfad, die sich langsam durch den Schnee bewegten. Er zog sich von der Kante zurück, bevor sie ihn sehen konnten, und drehte sich zu seinen Greifenkameraden. Selbst wenn der Feind sie noch nicht bemerkt hatte, mussten sie blind sein um die Klauen- und Pfotenabdrücke zu übersehen, die nur leicht versetzt neben dem Plateau mit ihrem Nachtlager waren. Wenn sie die Anwesenheit der Greife entdeckten und Alarm schlugen, dann waren sie so gut wie tot.

Rasch signalisierte er den anderen Greifen. Sturz, Angriff, Unterstützung. Der alte Greif griff den Speer von seiner Rüstung, während sich sein Körper aufwärmte da das Blut in Wallung kam, in Erwartung des Kampfes. Gemeinsam traten die Greife an die Kante. Zwei Paare von je Speer und Gleve mit den Pfadfindern dazwischen. Sie spähten über die Kante um sich zu vergewissern, wo der Feind war, und warteten auf Gaius Befehl. Die Klaue fiel in dem Augenblick wo alle Greife in Position waren.

Vier Greife sprangen vom Plateau auf den ahnungslosen Feind. Es war nur ein kurzer Sturz, aber der Wind und der enge Pfad, auf dem sie landen mussten, machte es zu einer der herausforderndsten Leistungen ihres Lebens. Gaius landete hinter dem letzten Feind, der dem Greif den Rücken zugewandt hatte. Die Kreatur erfuhr nie, dass sie da waren, da sein Speer den Schädel glatt durchstieß und sofort wieder zurückgezogen wurde, woraufhin der leblose Körper über die Kante in den Abgrund fiel.

Auf der anderen Seite war Gnato vorn, die Gleve zum Angriff bereit. Er hatte das Überraschungselement, aber der Greif hinter ihm hatte den Sturz vermasselt und war drauf und dran in den Abgrund zu stürzen. Ohne zu zögern wechselte Gnato die Waffe in die schwächere Klaue und griff den fallenden Greif mit der Freien. Aber das machte ihn angreifbar und der Feind war dabei, den Schrecken abzuschütteln und sich zu bewegen.

Gaius bewegte sich vorwärts und trieb seinen Körper ans Limit um das Leben des Jungen zu retten. Die Kreatur, die in der Mitte lief, wurde von zwei Pfeilen getroffen und verkrampfte sich. Der alte Greif zwängte sich zwischen ihr und der Felswand hindurch und schob sie dabei in den Abgrund.

Die Kreatur griff Gnato an, der immer noch den halb ins Nichts hängenden Greif festhielt. Der Junge sah den Angriff kommen und blockte ihn mit der Klinge der Gleve. Die Klaue der Kreatur wurde glatt abgetrennt. Sie begann einen schmerzhaftes Brüllen, das jäh unterbrochen wurde als Gaius’ Speer ihr Herz durchbohrte.

Gaius blickte kurz zu Gnato als dieser endlich genug Raum hatte, um den anderen in Sicherheit zu ziehen, bevor er über die Schlucht zur anderen Feindgruppe blickte. Egal wie kurz der Schrei der Bestie gewesen war, es hatte ausgereicht, um die anderen zu alarmieren. Sie stießen ein lautes Brüllen aus, als sie die Greifen sahen, die gerade die drei Bestien überfallen hatten. Und während ihr wütender Laut durch das verfluchte Land hallte, antwortete ein anderes Brüllen und dann noch eins und noch eins. Gaius war frustriert, denn einige der Geräusche kamen aus der Richtung, in die sie fliehen wollten.

Selbst mit Fernwaffen hatten sie keinen echten Vorteil. In der Unterzahl, unbekanntes Gelände, nicht in der Lage ihre Stärken auszuspielen. Gaius erinnerte sich an seinen ersten Ausbilder, als er noch ein Grünschnabel gewesen war. Akzeptiere die Umstände und mach weiter. In diesem Moment akzeptierte der alte Kriegergreif, dass keiner von ihnen diesen Ort lebend verlassen würde. Er hob seine Klaue und schloss die Augen.

Oben auf dem Plateau hatte er etwas bemerkt. Auch wenn sein Verstand es verdrängt hatte, da es in dem Moment wichtigeres gab, hatte er eine offene Ebene hinter dem tückischen Gelände gesehen, nicht weit von ihnen. Offen genug um einen richtigen Kampf zu führen, und seine Eingeweide sagten ihm, dass sie vielleicht sogar das Herz des Feindes finden konnten.

Während er die Augen öffnete signalisierte er, sich zu sammeln. Einen Moment später landeten die beiden Pfadfinder neben ihnen, wobei der eine sofort von einem anderen Greif festgehalten wurde, um ihn und sein verletztes Bein zu stabilisieren. Alle sahen Gaius an und warteten auf einen Befehl, auf einen Plan um sie zu retten. „Weiter vorrücken zur Ebene!“ bellte er, laut genug damit sie ihn über den Wind hören konnte, während er nach vorn wies. Er sah die Reaktion in ihren Augen, sie wussten dass es ein Todesurteil war. Einer öffnete den Schnabel um zu widersprechen, aber Gaius war unnachgiebig. „Wir sind abgeschnitten! Aber wir können immer noch das Schlachtfeld wählen! Lasst sie für jedes Leben bezahlen!“ die grimmigen Gesichter sagten ihm alles. Sie verstanden und würden ihm in den Tod folgen.

Die Expedition bewegte sich rasch und ließ das meiste auf dem Plateau zurück. Die schwarzpelzigen Bestien auf dem anderen Pfad beeilten sich, den Weg zurückzulaufen im Versuch, die Greife abzufangen. Und mehr von ihresgleichen schloss sich an. Immer noch erscholl das Brüllen und hallte von allen Seiten wider. Die Expedition erreichte eine Art Kreuzung, wo sich ein Dutzend Pfade zwischen den Felsen trafen. Gaius hielt für einen kurzen Augenblick und erinnerte sich an den Weg zur Ebene.

„Beim König, die müssen überall sein.“ fluchte einer der Pfadfinder. Erst jetzt bemerkte der alte Greif, dass jeder Pfad von und zur Kreuzung praktisch schneefrei war, mit sichtbaren Spuren kürzlicher Nutzung. „Schaut, über uns!“ rief Gnato mit eigenartiger Verwirrung. Gaius sah nach oben in den klaren Himmel. Da war nichts außer den goldenen Sonnenstrahlen des anbrechenden Tages, die ein goldenes Glitzern an sich hatten. Seine Augen fokussierten sich erst, bevor sie groß wurden. Da waren kleine Partikel in der Luft, die einen goldenen Sonnenaufgang erzeugten. „Grover ist mit uns!“ rief der Junge, gefolgt von einigen Jubelrufen.

Nach der motivierenden Entdeckung rückten sie weiter vor und zwischen zwei Bergen entlang. Der Pfad weitete und öffnete sich zu einer großen, scheinbar endlosen Ebene. Gaius bemerkte die Höhleneingänge an den Seiten und gab Befehle, aufzufächern und nach den einäugigen Bestien Ausschau zu halten. Wie um seine Vermutungen zu bestätigen kamen einäugige Kreaturen wie die auf dem Pfad aus den Höhlen.

Der Wind war immer noch stark, vielleicht sogar noch stärker. Aber jetzt kam er nur noch aus einer Richtung, von jenseits der Ebene. Die Expedition bewegte sich tiefer in die Ebene, fort von den Höhlen, wo sie im Nachteil wären. Eine Horde an Kreaturen folgte ihnen von jenen Höhlen und dem Pass, den sie durchquert hatten. Gaius zählte mindestens dreißig, mit sicher noch mehr auf dem Weg.

Vor den Greifen stand etwas aus dem felsigen Untergrund hervor, das wie ein riesiger Klumpen Gold aussah. Aber aktuell gab es Wichtigeres, um das sie sich kümmern mussten. Die Horde rückte vor und auch wenn der Wind sie verlangsamte, so waren sie doch massiver als die Greifen. Für Gaius war dies ein guter Ort für ein letztes Gefecht.

Der alte Greif drehte sich zu seinen Greifenkameraden und sah ihre Entschlossenheit. Dies waren seine letzten Befehle, vielleicht sogar seine letzten Worte, also wählte er sie mit bedacht. „Ein Rang! Pfadfinder in der Mitte, schießt mit dem Wind! Nach eigenem Ermessen! Speere nach außen!“ bellte er, „Flügelloser Feigling!“ Das Manöver war eine fiese Scherzübung im Training, ein Greif bekam seine Flügel verbunden und durfte sich nur rückwärts bewegen, während er sich gegen einen Angreifer verteidigen musste. Aber in diesem Moment war es die einzig brauchbare Option.

Gaius trat neben Gnato in die Linie. Sie tauschten kurz Blicke aus. Der Junge schien seltsam ruhig, wenn man ihre derzeitige Situation bedachte. Dann begannen die Pfadfinder den Beschuss und schickten Pfeile in die herannahende Horde. Jeder Pfeil fand sein Ziel. Einäugige Kreaturen wurden zurückgeworfen, strauchelten oder kollabierten. Aber jede Lücke, die der unerbittliche Pfeilhagel riss, wurde sofort von weiteren Bestien geschlossen.

„Für Greifenstein!“ rief Gaius, als der Feind die Distanz im Sturm überbrückte, die Anderen stimmten ein. Sein Speer schoss vor und durchdrang die Brust der rasenden Kreatur. Er zog die Waffe zurück, als die Widerhaken in das Fleisch eingesunken waren, und riss rote und schwarze Klumpen mit heraus. Neben ihm spaltete Gnato den Kopf eines Angreifers, der den Pfadfindern zu nahe gekommen war.

Vor Gaius trampelte ein weiterer einäugiger Feind über die Leiche seines Kameraden, während ein anderer versuchte, die Greife zu flankieren. Der alte Krieger identifizierte letzteren als größere Bedrohung, die gerade außerhalb der Reichweite seines Speeres lag. Also sprang er vor und der Wind brachte seinen Speer ins Schwanken. Er hatte auf den Kopf gezielt und traf stattdessen den Hals, doch die Speerspitze durchdrang den Körper dennoch. Rotes Blut floss in Strömen über das Fell und auf den Boden.

Der andere Angreifer sah eine Öffnung und versuchte, den Greifen anzustürmen, doch Gaius schwang den Speer herum, traf die Bestie am Kopf und hinterließ einen kleinen Schnitt auf der Wange. Offensichtlich hatte sie die Warnung nicht verstanden und drang weiter vor, wo ihre Brust von der langen Waffe durchbohrt wurde.

Gaius fiel zurück ins Glied und sie bewegten sich langsam rückwärts, wobei sie die Angreifer abwehrten. Zuerst lief es gut, die Greifen hatten genug Raum und die schwarzpelzigen Bestien bezahlten teuer für ihre unablässigen Angriffe. Dann gingen den Pfadfindern die Pfeile aus. Da sie keine längere Schlacht erwartet hatten, mussten sie jetzt mit Klauen und Schnäbeln kämpfen.

Ihr Kampf hinterließ eine blutige Spur über die Ebene mit vielen erschlagenen Feinden, als sie ihren ersten Verlust hatten. Der verwundete Pfadfinder war entweder zu langsam um Schritt zu halten oder die Verletzung forderte schlussendlich ihren Tribut. Er war zwei Schritte zurück und plötzlich überwältigten ihn ein halbes Dutzend Kreaturen und rissen ihn in Stücke. Gaius knurrte ob des grausigen Anblicks, doch sie hatten sich schon jetzt besser gehalten als erwartet.

Auf einmal versuchte der Feind nun eine neue Taktik und bemühte sich, die Greife einzukreisen. Das war etwas, was Gaius mit seiner Taktik vermeiden wollte, doch der Wind drückte sie stark nieder, so dass er nichts dagegen unternehmen konnte. Aber er erkannte jetzt, dass die Zahl der Feinde geschrumpft war und ein Abstand zwischen der aktuellen Gruppe und der nächsten Welle entstanden war.

Auch wenn sie den Feind weiterhin dezimierten, dauerte es nicht lange, bis sie einen weiteren Greif verloren. Der andere Speerträger durchbohrte eine der Kreaturen, als eine andere Bestie auf den Speer sprang. Der Greif wurde zu Boden gerissen und die Klauen der Kreatur fanden das Genick des Greifen knapp unterhalb des Helmes. Doch der Sieg währte nur kurz, da eine Gleve den Bauch des Mörders öffnete und seine blutigen Eingeweide über den Boden verteilte.

Gaius verstand nicht, warum der Feind ihnen immer noch nachsetzte. Mehr als ein Dutzend Bestien waren für jeden Greif gestorben, selbst Drachen wussten, wann es genug war. Inmitten der nächsten Welle der Angreifer erhob sich eine riesige Kreatur. Sie war von der gleichen Art wie die anderen, aber mindestens drei mal so groß. Seltsame goldene Ornamente bedeckten ihre Hörner und Arme und machten sie damit nicht nur aufgrund ihrer Größe zu etwas Besonderem. Während Gaius sich wunderte, ob dies der feindliche Kommandeur oder Anführer war, blickte die große Bestie mit ihrem einen großen Auge über die Greife hinweg und stieß ein Brüllen aus, dass den Wind übertönte und den Boden beben ließ.

Noch während sich Gaius fragte, was so wichtiges hinter ihnen war, gab es einen Ansturm von regulären schwarzpelzigen Bestien, die seine volle Aufmerksamkeit verlangten. Obwohl er nach dem markerschütternden Brüllen von den anderen getrennt worden war, war er kompetent genug mit dem Speer um sich zu behaupten. Er hielt die Bestien nicht nur auf Abstand, sondern stach, schwang und hieb nach ihnen bei jeder Gelegenheit, blutete sie langsam aus und tötete sie eine nach der anderen.

Endlich hatte er alle erledigt und sich genug Raum verschafft, um einen Moment seine Umgebung wahrzunehmen. Er blickte in die Richtung, in die der Große geschaut hatte, um zu prüfen, ob es eine weitere Bedrohung gab. Gaius befand sich ziemlich dicht bei dem großen Klumpen aus goldähnlichem Gestein. Und aus der Nähe konnte er mit Gewissheit sagen, dass es Gold war, bei weitem das größte Stück Gold das er je gesehen hatte. Es war deformiert, der Wind nahm hin und wieder winzige Stückchen mit und trug goldene Funken über die Ebene. Es ließ sich unmöglich sagen, wie groß es einst gewesen war. Und plötzlich ergab alles Sinn. Der goldene Sonnenaufgang, der Kringel auf der Schriftrolle, ihre Legende …

Sein Blut gefror, als hinter ihm ein schmerzerfüllter, krächzender Schrei erklang. Sein Kopf fuhr sofort herum, die Augen auf die Quelle des Schreis gerichtet. Gnato lag nicht weit entfernt auf dem Boden, schwer verwundet und einen Angreifer über sich, mit weiteren in der Nähe. Die anderen Greifen waren nirgends zu sehen.

Gaius dachte nicht einmal nach, bevor sich sein Körper in Bewegung setzte. In einer sauberen Bewegung zog sich die Klaue mit dem Speer zurück, bevor sie vorschnellte zu dem Monster, das seinen letzten lebenden Verbündeten bedrohte. Jahrzehnte der Erfahrung ließen das Wurfgeschoss ins Schwarze treffen, die Bestie durchbohren und in die zwei dahinter schleudern, woraufhin die ganze Gruppe über die Ebene purzelte.

Rasch eilte der alte Greif zum Verletzten. Gnato war schwer verwundet, sein Schwanz war fort und einer der Flügel aufgeschnitten. Das ehemals braune Fell war jetzt rot, Blut tropfte auf den Boden in eine Lache. Irgendwann hatte er die Gleve verloren. Aber der Junge stand mit zitternden Beinen auf. Er sah Gaius an, ein Teil seines Gesichts geschwollen von einem Einschlag. „Hinter dir.“ sagte der Junge, die Warnung kaum über den Wind hörbar.

Gaius fuhr herum. Die große Bestie näherte sich ihnen knurrend. Der alte Greif begriff, dass die Welt sich auf sie drei reduziert hatte, jede andere der wenigen noch stehenden Kreaturen war zu weit entfernt um etwas anderes zu tun, außer zuzuschauen.

Gaius trat vor Gnato um ihn zu schützen und wählte eine flache Haltung. Bereit, jederzeit loszuspringen oder sich wegzuducken. Die Bestie hämmerte ihre massigen Klauen auf den Boden und brüllte den alten Greifen an. Aber er war weit jenseits jeder Einschüchterung und Furcht. Sein ganzer Körper wusste, dass sein Leben in diesem Moment gipfelte.

Der weite, vorhersehbare Schwinger kam und Gaius sprang aus dem Weg, war für einen Moment in der Luft und ließ sich vom Wind an der Bestie vorbei tragen. Aber sie war schnell, viel schneller als der Rest ihrer Art. Der zweite Schwinger traf, presste ihm die Luft aus den Lungen und brach einige Knochen. Die Rüstung absorbierte das Meiste der Klauen, aber nicht vollständig.

Er landete ein paar Schritt entfernt, seine Sicht verschwamm für einen Moment. Gaius schmeckte sein eigenes Blut und spie aus. Die riesige Kreatur kam ihm hinterher, aber da sie den anderen Greif ignorierte, machte sie sich angreifbar. Der Junge, so verletzt er auch war, sprang vor und vergrub seine Klauen und den Schnabel im Hinterlauf.

Das Monster brüllte vor Schmerz, riss sich los und fuhr zum Greif herum. Es nutzte seine gewaltige Klaue als Faust und hämmerte sie auf den verletzten Krieger nieder. Es zerschmetterte Gnato’s Kopf und Wirbelsäule und Körper, tötete ihn augenblicklich.

Gaius schrie, Schmerz und Leid füllten seinen Verstand. Der alte Greif sprang vor, glitt auf dem starken Wind mit der Absicht, dass Monster mit sich zu nehmen als seinen letzten Akt auf dieser Welt, und es für alles bezahlen zu lassen was es getan hatte. Er zielte auf das große, böse Auge und sah die Faust kaum kommen, immer noch rot vor Blut. Und dann verschwand alles und ließ nichts zurück.